John Foxx: "Metamatic" CD
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80/07,
Virgin Records (Re-Release 2007, Metamatic / Edsel Recordings / Demon Music Group)
John Foxx, geboren im englischen Chorley unter dem bürgerlichen Namen Dennis Leigh, konnte mit seiner ersten Band Tiger Lily zwischen 1974 und 1976 einzig im Londoner Underground auf sich aufmerksam machen. Nach zahlreichen Umbesetzungen firmierten John Foxx, Billy Currie, Warren Cann, Chris Cross und Stevie Shears schließlich in Ultravox! um und veröffentlichten in den Jahren 1977, 1978 und 1979 die drei LPs "Ultravox!", "Ha! Ha Ha!" und "Systems Of Romance" (letztere produziert von keinem Geringeren als dem Deutschen Conny Plank). Auf diesen Platten wird - aus der sicheren Warte der Gegenwart - sehr genau der Übergang vom Punk zur New Wave hörbar. Als man vom damaligen Label Island Records aufgrund der mäßigen Verkaufszahlen jedoch vor die Tür gesetzt wurde, verließ John Foxx die Formation und startete eine Solo-Karriere.
(Die verbliebenen Bandmitglieder holten sich mit Midge Ure einen neuen Sänger an Bord, strichen das Ausrufezeichen am Ende des Namens Ultravox! und schafften 1980 mit dem wiederum von Conny Plank produzierten Album "Vienna" den kommerziellen Durchbruch.)
John Foxx hingegen widmete sich voll und ganz den kühlen Klanglandschaften, die er den damals neuartigen analogen Synthesizern entlocken konnte. Mit den Gastmusikern John Barker und Jake Durant sowie Tonmeister Gareth Jones (später auch für Depeche Mode, Fad Gadget und die Einstürzenden Neubauten tätig) begab er sich in das kleine Londoner Studio "Pathway". Als Resultat erschien am 10.01.1980 auf Richard Bransons damals sehr innovativem Label Virgin Records die großartige Single "Underpass", die alle Qualitäten des frühen Synthie-Pop auf den Punkt bringt: bedrohlich dräuende Sounds im Intro, eine simple, aber ungeheuer einprägsame Melodie, eine sehr minimalistische Struktur, schräge Effekte in den Strophen, mechanische Beats und ein androgyner Sprechgesang, der stilistisch nicht sonderlich weit entfernt war von den Vokalleistungen eines Gary Numan. Diesem waren ein halbes Jahr zuvor mit "Are Friends Electric?" und "Cars" zwei satte Nr.1-Hits in England geglückt.
Von derartigem Erfolg blieb John Foxx allerdings weit entfernt: Die Single erreichte lediglich die hinteren Ränge der Charts, während der eine Woche später veröffentlichte Longplayer "Metamatic" die Hitlisten gänzlich verfehlte. Dennoch hat "Underpass" sich in den mittlerweile mehr als 25 Jahren danach zu einem unsterblichen Tanzflächenfüller entwicklt - und "Metamatic" erwuchs zu einem Klassiker des Synthie-Pop. Natürlich funktionieren auch die übrigen 9 Tracks des Albums nach dem gleichen Prinzip wie die bekannte Single: Stets fühlt man sich an wabernden Nebel, blaues Neonlicht und die unzähligen Stunden vor dem heimischen C=64-Computer erinnert, wenn die charakteristischen, prähistorischen Synthesizer-Sounds erklingen. Dennoch: Zu jeder Sekunde hört man, dass diesen analogen Maschinen ein merkwürdiges Eigenleben innewohnte. Und genau diese einzigartige Klangästhetik ist es, die über manch zweifelsohne vorhandene kompositorische Länge hinwegzutäuschen vermag und "Metamatic" noch immer zu einem wirklich interessanten Hörerlebnis macht. Stark sind neben den beiden Auskopplungen "Underpass" und "No-One Driving" insbesondere das klanglich mächtige "He's A Liquid" sowie das atmosphärische Finale "Touch And Go".
Seit dem 14.09.2007 ist "Metamatic" als schickes DeLuxe-Doppel-CD-Set erhältlich: Dem regulären Album, das selbstverständlich in remasterter Klangqualität zu hören ist, liegt eine Bonus-CD bei, die mit sage und schreibe 13 Alternativ-Versionen, raren oder gar gänzlich unveröffentlichten Titeln gefüllt ist. Von diesen Tracks sind vor allem die kühlen Instrumentals "Glimmer" und "Mr. No", die im Original nur auf der B-Seite der "No-One Driving"-Single zu hören waren, wahre Schätzchen. Auch "This City" und "Burning Car", zwei Nicht-Album-Singles aus 1980, dürfen auf der Wiederveröffentlichung nicht fehlen.
Mit "The Garden" (1981), "The Golden Section" (1983) und "In Mysterious Ways" (1985) veröffentlichte John Foxx drei weitere Alben, ehe er für mehr als eine Dekade von der Bildfläche verschwand. Die Highlights seiner Frühwerke sind allesamt auf der Compilation "Assembly" zu finden, die anno 1992 bei Virgin Records erschien. Seit 1997 ist John Foxx zurück im Musikbusiness und veröffentlicht Jahr für Jahr größtenteils leider nur wenig überzeugende Alben, überwiegend in Zusammenarbeit mit Louis Gordon. Allen, die interessiert sind zu erfahren, wie sich der gute Mann im 21. Jahrhundert anhört, lege ich hiermit "Crash And Burn" aus dem Jahr 2003 ans Herz, auf dem einige durchaus hörenswerte Songs versammelt sind. Der essentielle Klassiker des John Foxx ist und bleibt aber zweifelsohne sein Debut "Metamatic".
Robertos Wertung:
7,5 von 10 Sternen
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