And One: "So klingt Liebe" 3 MCD
©
2006,
Out Of Line/SPV
"Zusammen ergeben die drei MCDs "So klingt Liebe" nicht nur einen todsicheren Hit und ein tolles Sammlerstück, sondern auch das lang ersehnte offizielle And One-Livealbum".
Mit diesem Satz will uns das neue Label von And One bei jeder Gelegenheit vom Kauf überzeugen. Doch darf man dem Promotext wirklich glauben? Schaumermal ...
Die jungfräulichen Jahre bei Virgin Records sind seit "Aggressor" jedenfalls vorbei - und so folgten And One dem gut dotierten Lockruf von Out Of Line Records; anno 2006 sind sie nun also wieder "independent". Und das ist nicht die einzige Veränderung: Unterhaltungschef Steve Naghavi hat Berlin den Rücken gekehrt und seine Zelte mittlerweile in Hamburg aufgeschlagen. Da ist es durchaus verwunderlich, dass die Bandkonstellation in den letzten Jahren ausnahmsweise einmal keinem Wandel unterlag: Nach wie vor komplettieren Zweitstimme Chris Ruiz und Tastenmann Gio van Oli (ehemals bei der And One-Kopie Dark Voices aktiv) das Line-Up. Wobei es aber grundsätzllich auch egal ist, welche Statisten And One zum Trio auffüllen; schließlich war das Komponieren bis auf wenige Ausnahmen ("High", "Sometimes") in Naghavis Gruppe schon immer Chefsache - so auch bei "So klingt Liebe", dem nach der MCD "Military Fashion Show" bereits zweiten Vorboten des Longplayers "Bodypop", der am 01.09.2006 erscheinen wird.
Positiv formuliert: Man hört schon nach 15 Sekunden, von welcher Gruppe "So klingt Liebe" stammt. Negativ ausgedrückt: Wer sich auch nur die kleinste Neuerung erhoffte, ist hier vollkommen falsch. Gewiss ist die Nummer nicht schlecht - aber richtig hittig dann letztlich doch nicht, obwohl sie sich angenehm melodisch, tanzbodentauglich sowie mit einprägsamem, deutsch gesungenem Refrain und frivolen Lyrics ins Öhrchen zu schleichen versucht. Schade nur, dass sie dort nicht wirklich hängen bleibt, sondern droht, auf der anderen Seite der Gehörgänge wieder hinaus zu purzeln.
Da hilft also nur, die Veröffentlichung anderweitig aufzupeppen: Aus einer MCD mache man drei, packe auf jede den Radio- und Club-Mix des Titelstücks, zusätzlich aber noch jeweils einen unterschiedlichen Remix, einen Bonustrack und drei Konzert-Mitschnitte. Das ergibt unter'm Strich drei exclusive Titel und satte neun Live-Aufnahmen - schon ist der Anreiz viel größer, sich die Maxi oder am Besten gleich alle drei zu kaufen. Und das lohnt sich größtenteils dann doch, denn die Bonüsse können sich hören lassen: "Schmerzengel" poppt melodisch vor sich hin, das EBM-lastige "Tell Me Lies" macht mächtig Dampf auf dem Tanzflur und das schwungvolle, mit C=64-Gefiepe veredelte "Hardware Conflict" lässt die Leichtfüßigkeit erkennen, die ich mir auch vom Titelstück erhofft hatte.
Neben den drei entbehrlichen Remixes von "So klingt Liebe" bleiben nun noch die Live-Aufnahmen, allesamt auf der "Aggressor"-Tour 2004 mitgeschnitten - obschon kein einziger Titel davon jenem Album entstammt. Stattdessen gibt es eine muntere Reise durch die And One-Vergangenheit, angefangen bei "Metalhammer" und "Second Voice" über die beliebten "Für", "Sometimes", "Get You Closer", "Recover You" und "Deutschmaschine" bis hin zu den leider weniger bekannten, aber nicht minder starken "Take Some More" (weiland Extra-Track auf der "Deutschmaschine"-MCD) und "Bodynerve" (von der englischen Ausgabe des "I.S.T."-Albums). Die Stimmung des Publikums ist bei allen Songs großartig, was man von der Aufnahmequalität und der hörbaren Performance leider nicht durchgängig behaupten kann. Jedoch sollten wir Herrn Naghavi und seinen Mitstreitern zu Gute halten, dass sie im Gegensatz zu zahlreichen anderen Elektronikern bei ihren Konzerten wirklich eine Menge live auf die Bühne zaubern und nicht nur Playbacks abfahren; auch wenn das Ergebnis partiell etwas fragwürdig klingt. Für Fans von And One garantieren die neun Mitschnitte auf jeden Fall gut 40 Minuten Party pur. Der normale Konsument sollte hingegen lieber bei den klanglich edleren Studio-CDs zuschlagen, von denen einige ("Anguish", "Flop!", "Spot" und "I.S.T.") jüngst wiederveröffentlicht worden sind.
Insgesamt sind die "So klingt Liebe"-MCDs also nicht der ganz große Hammer, aber eben auch nicht wirklich schlecht. Und sollten And One noch ein paar Jährchen bestehen bleiben, wird dieses "S-E-X"-Dreierset wohl irgendwann tatsächlich eine kleine Rarität sein.
Robertos Wertung:
5,5 von 10 Sternen
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