a-ha: "How Can I Sleep With Your Voice In My Head (Live)" 2CD
©
2003,
Wea Records
Hab' ich's doch gewusst: Kaum ein Jahr ist seit ihrem letzten, insgesamt eher müden Album "Lifelines" vergangen, ehe die drei Norweger a-ha eine neue CD veröffentlichen. Scheinbar haben also selbst Morten Harket, Magne Furuholmen und Paul Waatkaar-Savoy erkannt, dass es erstens mit "Lifelines" bis auf zwei, drei Songs nicht sonderlich weit her war und dass zweitens eine längere Kreativpause vielleicht die letzte in der Bandgeschichte werden könnte - man wird schließlich nicht jünger. Noch jedenfalls ist man wirklich on top; doch a-ha wissen aus eigener Erfahrung Anfang der 90er Jahre nur allzu gut, wie vergänglich kommerzieller Erfolg sein kann.
Was tut man aber, wenn die Zeit für ein neues reguläres Album einfach nicht ausreicht? Genau: Man wirft entweder eine "Best Of"-Scheibe oder eine Live-Platte auf den Markt. Erstere gibt's mit "Headlines & Deadlines" schon seit Jahren - bleibt also Variante 2. "How Can I Sleep With Your Voice In My Head" ist der ausschweifende Titel des corpus delicti. Mitgeschnitten wurden die Songs für diese CD auf der "Lifelines"-Tour im Oktober 2002, u.a. in London, Paris und Leipzig. Eine ziemlich kurze Zeitspanne also zwischen Aufnahme und Veröffentlichung...
Das Ergebnis macht klar, wie a-ha dieses Kunststück fertig bringen konnten: "How Can I Sleep With Your Voice In My Head" ist ein Live-Album ohne doppelten Boden, also scheinbar gänzlich ohne Nachbearbeitungen im Studio. Sicherlich hat man die besten Aufnahmen der jeweiligen Titel genommen, von der Reihenfolge her neu angeordnet und vernünftig abgemischt, aber meine Ohren müssten mich sehr trügen, wenn es hier tatsächlich so etwas wie Overdubs (also im Studio hinzugefügte oder ausgetauschte Instrumental- bzw. Gesangsparts) gäbe. Nein, diese Live-CD ist wirklich "ehrlich" und echt - und daher mit allen Stärken und Schwächen versehen, die Konzertmitschnitte in der Regel mit sich bringen.
Richtig gut wird's immer dann, wenn sich a-ha auf die balladeske Stärke ihrer Songs besinnen: Insbesondere die hier dargebotene Piano-Version von "Stay On These Roads" ist extrem beeindruckend und gefällt mir mittlerweile besser als die Originalfassung. Auch "Hunting High And Low", "Lifelines" und "Crying In The Rain" leben von dieser ruhigen, entspannten Atmosphäre, die locker über die kleinen Unsauberkeiten in Musik und Gesang hinwegtäuschen kann. Erdig und straight überzeugt auch "Forever Not Yours" live, während "Summer Moved On" vor allem von der hier wirklich fantastischen Gesangsleistung Morten Harkets lebt.
Als wirkliche Schwachpunkte kann man allerdings zumeist die rockigen Uptempo-Nummern ausmachen: Neben "The Sun Always Shines On TV" kommen auch "The Living Daylights" und "I've Been Losing You" einfach nicht druckvoll und stabil genug daher. Die übrigen Titel sind okay, mehr aber auch nicht. Warum nun gerade "The Sun Always Shines On TV" als Vorab-Single erschienen ist, ist mir ein ziemliches Rätsel - fällt dieser Song doch nicht nur im Kontext des Albums, sondern vor allem auch im Vergleich zum Original deutlich ab, wirkt musikalisch schrappig, insgesamt dünn und auch gesanglich ziemlich wacklig. Für meinen Geschmack hätte sich die fluffige, runde Neufassung von "Take On Me" viel eher als Auskopplung geeignet. (Und das aus meinem Munde, der ich diesen Song eigentlich nie sonderlich mochte.)
Wie schwierig es für a-ha ist, das Niveau ihrer Songs auch auf der Konzertbühne halten zu können, wird auf "How Can I Sleep With Your Voice In My Head" einige Male schon recht deutlich - nicht immer ist Morten Harkets Stimme so sicher und stabil wie gewohnt, nicht immer bringt die Musik wirklich Kraft herüber. Im Gegenzug muss man den Norwegern allerdings einen dicken Pluspunkt dafür geben, dass sie wirklich sämtliches Notenmaterial komplett live gespielt und nicht einmal Rhythmen oder Flächen als Basistracks vom Playback verwendet haben. Zu den "naturbelassenen" Aufnahmen, die letztlich ihren Weg auf die CD gefunden haben, äußerte ich mich ja weiter oben schon.
Abschließend noch ein Satz zur Titelauswahl: Natürlich sind sämtliche Klassiker der Band vertreten, doch finden sich neben den ansonsten vorwiegend neuen Tracks mit dem großartigen "Manhattan Skyline" und dem leider weiland kaum beachteten "The Swing Of Things" glücklicherweise auch zwei weniger bekannte Songs aus dem "Scoundrel Days"-Album. Dessen grandioses Titelstück darf zudem die 6-Track-Bonus-CD eröffnen, die der Erstauflage beiliegt und die ebenfalls noch ein kurzes "Tourbook" für den MediaPlayer am PC enthält. Die Doppel-CD-Edition im schicken Digipak beinhaltet sogar noch ein (zugegebenermaßen sehr kleines A4-)Poster und bietet somit für kaum mehr Geld insgesamt deutlich mehr als die reguläre Einzel-CD-Ausgabe.
Jeder wirkliche a-ha-Fan wird sich "How Can I Sleep With Your Voice In My Head" ohnehin zulegen und die Stärken und Schwächen dieser CD einzuschätzen wissen - für Einsteiger ist dieses Album trotz der Tatsache, dass es hier Songs aus allen Schaffensphasen der Band zu hören gibt, allerdings nur bedingt empfehlenswert.
Robertos Wertung:
6 von 10 Sternen
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