Robertos musikalischer Jahresrückblick.

Die 5 besten Alben - der Countdown:

Fever Ray: "Fever Ray"

Cover: Fever Ray: Fever Ray CD #5

Leider sind die von mir hoch geschätzten Schweden The Knife bereits seit drei Jahren von der Bildfläche verschwunden. Zumindest Sängerin Karin Dreijer-Andersson gibt mit dem Debut ihres Soloprojekts Fever Ray aber ein interessantes Lebenszeichen von sich. Auf den ersten Hör scheint es, als habe man es mit ein paar neuen The Knife-Tracks zu tun, die in Zeitlupe abgespielt wurden: Extrem schleppend sind die Beats, groooß die Hallräume, nach unten gepitcht und fast schamanisch anmutend ist nicht selten Frau Dreijer-Anderssons Gesang. In eindrucksvoller Manier beweist sie, dass sie auch ohne ihr Bruderherz Olof zu außergewöhnlichen künstlerischen Leistungen fähig ist. "Fever Ray" beeindruckt mit filmischen Atmosphären, einigen überaus starken Songs und natürlich mit der absolut unverwechselbaren Stimme der Schwedin. Schlafende Energie, die auf anmutige Art und Weise den Alltag entschleunigt!

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Rammstein: "Liebe ist für alle da"

Cover: Rammstein: Liebe ist für alle da CD #4

Totgesagte leben länger. "Was sollen die schon noch herausbringen?", hieß es während der vergangenen vier Jahre gerne. Es schien, als hätten Rammstein längst alles gesagt - und als sei es unmöglich, noch weiter zu gehen und unsere überreizte Gesellschaft erneut wirkungsvoll zu provozieren. Doch Till Lindemann und seine Mannen spielen auf "Liebe ist für alle da" erneut ihr enormes Potential aus und zeigen sowohl ihren Kritikern als auch ihren zahlreichen humorlosen Epigonen, wo der Hammer hängt. "Frühling in Paris" und "Donaukinder" sind famose Kompositionen mit reifen Texten - wie immer natürlich von Jacob Hellner derart ideenreich produziert und endgeil abgemischt, dass es eine wahre Freude für die Ohren ist. Auch die gnadenlose Satire "Pussy", das mit Brecht-Reminiszenzen gespickte "Haifisch" und die Ballade "Roter Sand" können sich mehr als hören lassen. Ein fantastisches Artwork (dem des aktuellen Kontrast-Albums übrigens nicht ganz unähnlich) rundet das Gesamtpaket stilvoll ab. Rammstein sind nach wie vor absolut relevant und haben sich ihren nationalen und internationalen Erfolg wieder einmal mehr als verdient.

Muse: "The Resistance"

Cover: Muse: The Resistance CD #3

Ich muss gestehen, dass ich anlässlich des Erscheinens von "The Resistance" durchaus skeptisch war: Zwar hatten Muse drei Jahre zuvor mit "Black Holes And Revelations" einen sehr stimmigen Vorgänger abgeliefert, doch befürchtete ich ob der dort zu vernehmenden Öffnung in Richtung Pop, dass sich Matthew Bellamy und Co. irgendwie in die Orientierungslosigkeit manövrieren könnten. Glücklicherweise ist gerade dies nicht passiert, denn "The Resistance" kombiniert das Beste aus beiden Welten: Die Single "Uprising" oder das hymnische "Guiding Light" sind zu formidablen, kompakten Popsongs geraten, während "Unnatural Selection", das Titelstück "Resistance" und die dreiteilige "Exogenesis Symphony" die Herzen eingefleischter Progressive-Rocker höher schlagen lassen. Das Klangbild wirkt etwas weicher als zuvor, doch tut dies der Hörfreude keinen Abbruch. Im Gegenteil bilden die Orchester-Parts und die deutlich präsenteren Keyboard-Flächen eine überaus stimmige Einheit mit den für Muse typischen Hardrock-Riffs und dem markanten Gesang Matthew Bellamys. All das macht "The Resistance" zu einem opulenten Gesamtkunstwerk, dessen Kauf sich wirklich lohnt.

IAmX: "Kingdom Of Welcome Addiction"

Cover: IAmX: Kingdom Of Welcome Addiction CD #2

Bereits seit ich anno 2007 die IAmX-CD "The Alternative" zugespielt bekam, steht dieses Projekt des in Berlin beheimateten Briten Chris Corner (ehemals Frontmann der Sneaker Pimps) bei mir extrem hoch im Kurs. Auch für "Kingdom Of Welcome Addiction", das inzwischen dritte IAmX-Album, hat der gute Mann mit Ausnahme einiger weiblicher Background-Vocals, Streicher- und Orchesterparts sämtliche Songs in kompletter Eigenregie komponiert, produziert und eingespielt. Das allein ist schon eine bemerkenswerte Leistung, die jedoch umso höher zu bewerten ist, wenn als Ergebnis dabei ein solch famoses Werk herauskommt. Der musikalische Kosmos von IAmX besteht aus vertrackten Beats, leicht angezerrten Gitarrensätzen, Keyboard- und/oder Orchester-Flächen und über allem der exaltierten, wirklich fantastischen Stimme Chris Corners, der ein ums andere Mal die volle Bandbreite der Dynamik zwischen Flüstern und Schreien auslotet. Seit langer Zeit ist mir keine CD mehr begegnet, die in derart überzeugender Weise den Hedonismus, die Kunst und den Kitsch der Glam-Rock- und New-Wave-Ära zu einem derart stilvollen Gesamtwerk vereint hat. Stark!

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Archive: "Controlling Crowds"

Cover: Archive: Controlling Crowds CD #1

Mal ehrlich: Wer hätte nach Archives eher mäßigem Vorgängerwerk "Lights" zu träumen gewagt, dass dem Musikerkollektiv um Darius Keeler und Danny Griffiths noch ein derart großer Wurf gelingen würde? Ich jedenfalls nicht. Fast drei Jahre haben sich die beiden Masterminds Zeit genommen, um in Frankreich und Großbritannien an einem bombastischen Konzeptwerk mit sage und schreibe 24 stilvoll und stimmig miteinander verwobenen Titeln, einer Gesamtspielzeit von mehr als zwei Stunden und einem überaus ansehnlichen Artwork zu arbeiten. Fünf Vokalisten teilen sich das Mikrophon, ein klassisches Orchester darf zwei Drittel der Kompositionen ausschmücken; ein Wunder, dass sich Archive bei dieser Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten nicht verzettelt haben. Doch genau das Gegenteil ist geschehen: "Controlling Crowds" ist große Kunst, die nicht an begrenzten technischen Mitteln oder stilistischen Grenzen scheitert; Kunst, die erarbeitet werden will und der es egal ist, dass ein guter Song auch einmal sieben oder gar zehn Minuten dauern darf, wenn die Komposition dies zulässt - oder erfordert, damit sie ihre Stärken in voller Schönheit zu entfalten vermag. Überdies ist es den Briten gelungen, in Zusammenarbeit mit Jerome Devoise eine derart ideenreiche Produktion zu erarbeiten, dass sich dem Hörer noch beim zehnten Durchlauf immer neue Facetten erschließen. Archive sind nicht nur in eine Richtung gegangen, haben sich nicht in einer Nische versteckt; stattdessen sind sie aufgebrochen, um die Weltformel zu suchen. Und: Ja, sie haben sie gefunden! Danke, dass es so etwas noch gibt!

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Die 10 besten Songs - in alphabetischer Reihenfolge:

a-ha: "Foot Of The Mountain"

Cover: a-ha: Foot Of The Mountain MCD #A

Sie können es noch! Das Titelstück ihres nach eigener Aussage finalen Albums vereint noch ein wahrscheinlich letztes Mal all das, was a-ha in den vergangenen 25 Jahren ausmachte: eine überaus einprägsame Melodie, eine kompakte Komposition und natürlich den unverwechselbar sanften Gesang Morten Harkets.

Archive: "Bullets"

Cover: Archive: Bullets MCD #A

Die Vorabsingle des fantastischen Archive-Doppel-Albums "Controlling Crowds" bringt in weniger als vier Minuten exakt auf den Punkt, was ein starker Rocksong bieten muss: eine einprägsame Melodie, einen sich stetig bis zum Ausbruch steigernden Spannungsbogen, unmissverständliche 70er Jahre-"Prog"-Anleihen und Pollard Berriers ausdrucksstarken Gesang.

Fever Ray: "Keep The Streets Empty For Me"

Cover: Fever Ray: Fever Ray CD #F

In "Keep The Streets Empty For Me" versammelt Karin Dreijer-Andersson all ihre Stärken: Perfekt fügt sich ihr einzigartiger Gesang in ein sanftes Musikbett ein, in das neben extrem verfremdeten E-Gitarren-Sätzen sogar südamerikanische Panflöten problemlos integriert werden und dessen filmische Atmosphäre von Sekunde zu Sekunde dichter wird - der definitive Höhepunkt ihres Solo-Debuts "Fever Ray"!

IAmX: "Kingdom Of Welcome Addiction"

Cover: IAmX: Kingdom Of Welcome Addiction CD #I

Chris Corner transportiert in seinen exaltierten Performances ein ums andere Mal die hedonistische Attitüde der 80er Jahre ins 21. Jahrhundert. Gepaart mit einer riesigen Portion Weltschmerz und Selbstmitleid lotet er insbesondere im Titelstück seines dritten IAmX-Albums die volle Bandbreite gesanglicher Möglichkeiten aus. Was für eine Stimme!

Kirlian Camera: "Odyssey Europa"

Cover: Kirlian Camera: Odyssey Europa 4-CD-Box #K

Das Titelstück der Best Of-Zusammenstellung war im Februar bereits auf dem regulären Kirlian Camera-Album "Shadow Mission Held V" zu hören: Elena Alice Fossis ausdrucksstarker Gesang, sphärische Flächen, ein satter Bass und natürlich die Kirlian Camera eigene Schwermut machen diesen Song zu einem definitiven Glanzlicht.

Marsheaux: "Summer"

Cover: Marsheaux: Lumineux Noir (Limited Edition) 2CD #M

So klingt er wirklich, der Sommer! Eine simple Zwei-Finger-Bassfigur bildet die Basis für einen extrem simplen, aber gleichermaßen auch eingängigen Song mit überdeutlichen Anleihen an die Italo-Disco-Ära der 80er Jahre - und dabei kommen Marsheaux doch aus Griechenland ...

Muse: "Resistance"

Cover: Muse: The Resistance CD #M

Mit dem Titelstück ihres aktuellen Albums lassen Muse die Herzen eingefleischter Progressive-Rocker höher schlagen: "Resistance" ist ein famos inszeniertes Opus im besten "Bohemian Rhapsody"-Stil, perfekt garniert mit der hysterischen Stimme Matthew Bellamys.

Noyce TM: "Tagwerk"

Cover: Noyce TM: Un:Welt CD #N

In deutscher Sprache vom Scheitern einer Beziehung zu singen, ist alles andere als einfach. Florian Valentin Schäfer und Noyce TM gelingt dies nicht zum ersten Mal: "Tagwerk" beschreibt überaus tiefgründig, wie man "sich auseinander leben" kann - beeindruckend!

Pet Shop Boys: "The Way It Used To Be"

Cover: Pet Shop Boys: Yes CD #P

Im Herzstück des aktuellen Pet Shop Boys-Albums "Yes" sehnt sich Neil Tennant textlich auf entwaffnende Weise nach einem verflossenen Lebenspartner. Melancholie allerorten - doch das Musikbett ist so passend, der Gesang so glaubwürdig, dass man am Liebsten gleich mittrauern möchte.

Rammstein: "Pussy"

Cover: Rammstein: Pussy MCD #R

Dieser Song hat den wohl geschicktesten Text des Jahres: Auf Wortspiele wie "Steck Bratwurst in Dein Sauerkraut" oder "Just a little bit - be my little bitch" muss man wirklich erstmal kommen! Eine einprägsame Melodie tut ihr Übriges, um diese gnadenlose Überzeichnung aller Klischees, die man in den USA mit Deutschland in Verbindung bringt, zu einem designierten Hit zu machen.

Remixes des Jahres:

Depeche Mode: "Perfect (Ralphi & Craig Club-Remix)"

Cover: Depeche Mode: Fragile Tension / Hole To Feed MP3-Maxi #3
(von der Download-Single "Fragile Tension / Hole To Feed")

Es ist kein großes Wunder, dass nahezu jeder Remix, der anno 2009 auf einer Depeche Mode-Maxi veröffentlicht wurde, besser war als das Original, denn das Album "Sounds Of The Universe" war bis auf wenige Ausnahmen eine ziemliche Nullnummer. Was jedoch die beiden Herrschaften mit den merkwürdigen Namen Ralphi & Craig aus dem müden "Perfect" herausholen, verdient besondere Erwähnung: Dieser Mix macht richtig Druck im Club und bettet dabei sogar noch auf geschickte Weise Dave Gahans Gesangslinie ein. Stark!

Martin Hall: "Another Heart Laid Bare (Leaether Strip-Remix)"

Cover: Martin Hall: Random Hold CD #2
(von der remasterten Download-Neuauflage des 1997er-Albums "Random Hold")

Vordergründig kann das nicht zusammen passen: Der stets behutsame Sänger Martin Hall gibt einen seiner fragilen Songs in die Hände des dänischen Dampfhammers Claus Larsen. Dass dabei ein nicht nur funktionaler, sondern wirklich sehr starker Remix zu Stande gekommen ist, darf man getrost als ein kleines Wunder bezeichnen. Zwar verwenden Leaether Strip natürlich die ihnen typischen Electro-Sounds, doch nimmt Larsen auf sehr angenehme und respektvolle Weise Rücksicht auf die zerbrechliche Komposition und den sanften Gesang seines Landsmanns Hall. Mit Flächen-Sounds unterstreicht er die Intensität des Textes und der Vocals sogar noch. Meisterlich!

Pet Shop Boys: "The Way It Used To Be (Richard X-Mix)"

Cover: Pet Shop Boys: Did You See Me Coming? MP3-Maxi #1
(von der Download-Single "Did You See Me Coming?")

Bereits auf der Bonus-CD des "Fundamental"-Albums hatte Richard X mit seiner Bearbeitung von "Fugitive" ein kleines Meisterwerk abgeliefert. Mit seinem Remix von "The Way It Used To Be" stellt er erneut unter Beweis, wie er einen Song in ein zeitgemäßes und tanzbares Gewand kleiden und dabei gleichzeitig die Atmosphäre der Komposition noch stärker betonen kann. Schon im Original war das wehmütige "The Way It Used To Be" das definitive Herzstück des Pet Shop Boys-Albums "Yes" - im Remix von Richard X wird die Melancholie von Musik und Text durch warme Hallräume, angenehme Keyboard-Sounds und einen überaus stimmigen Spannungsaufbau noch weiter gesteigert. Ganz großes Tennis!

Sonderpreise:

Camouflage: "Live In Dresden" CD + 2DVD

Cover: Camouflage: Live In Dresden CD + 2DVD #3

Für deutsche Elektroniker ist der Ostteil der Bundesrepublik das gelobte Land. Da ist es nur folgerichtig, dass auch Camouflage ihre dortigen Live-Erlebnisse für die Nachwelt festhalten. Kern dieses üppigen CD- und Doppel-DVD-Sets, das sowohl für Einsteiger in den Camouflage-Kosmos geeignet ist als auch für Fans der ersten Stunde wirklich keinen Wunsch offen lässt, bildet ein komplettes Konzert der "Relocated"[Link]-Tour in Elbflorenz. 17 der 23 Titel des Dresden-Konzerts fanden den Weg auch auf die beigefügte Audio-CD, mit der man seine Lieblinge auch einfach mal nur hören kann, wenn gerade kein TV-Gerät zur Hand ist. Besonders lohnenswert wird das Set aber durch DVD 2, auf der alle 14 Video-Clips von Camouflage von "The Great Commandment" bis "Motif Sky" vertreten sind. Obendrauf bekommt man sogar noch Auszüge aus historischen Fernsehshows der 80er Jahre ("Spruchreif", "Spielbude", "Bitte umblättern") auf die Augen. Zum guten Schluss begleitet die Kamera Camouflage gut 60 Minuten lang auf dem Abschnitt ihrer "Relocated"-Tour, der sie nach Russland führte. Insgesamt ist "Live In Dresden" eine gelungene Zusammenfassung des jahrzehntelangen Schaffens der "deutschen Depeche Mode".

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Kirlian Camera: "Odyssey Europa" 4-CD-Box

Cover: Kirlian Camera: Odyssey Europa 4-CD-Box #2

Nach zahllosen Umbesetzungen scheint Angelo Bergamini mit Elena Alice Fossi nun endlich seine Frontfrau "für die Ewigkeit" gefunden zu haben. Über Jahrzehnte haben sich die Italiener eine eingeschworene Fangemeinde erspielt - da ist es wenig wunderlich, dass die auf 1.000 Stück limitierte 4-CD-Ausgabe ihrer Best Of-Zusammenstellung "Odyssey Europa" bereits vor dem offiziellen Erscheinungstermin ausverkauft war. Wer ein solches Exemplar ergattert hat, darf sich glücklich schätzen: Erstens wird doppelt soviel Musik geboten wie auf der regulären Doppel-CD, darunter rare Remix-Arbeiten für u.a. :wumpscut: und Criminal Asylum, Kollaborationen mit u.a. Sara Noxx und Dive sowie diverse rare Tracks, die erstmals überhaupt auf Silberscheibe zu bekommen sind. Zweitens erhält der Käufer ein extrem wertiges Buch mit überaus ansehnlichen Hochglanzfotos - insbesondere bei Signora Elena hört das Auge schließlich sehr gerne mit. Mit dem Pink Floyd-Cover "Comfortably Numb" enthält "Odyssey Europa", die erste umfassende und labelübergreifende Zusammenstellung aller Glanzlichter der fast 30jährigen Karriere dieser absoluten Ausnahmeformation, sogar noch einen zuvor gänzlich unveröffentlichten Kirlian Camera-Track. Natürlich gibt's auch mal wieder eine neue Version des unsterblichen Klassikers "Eclipse" zu hören; aber das Original fand glücklicherweise ebenfalls Berücksichtigung.

Kraftwerk: "Der Katalog" 8-CD-Box

Cover: Kraftwerk: Der Katalog 8-CD-Box #1

Diese Veröffentlichung war überfällig: Nach Jahren des Wartens und Darbens haben es die alternden Knöpfchendreher um Ralf Hütter endlich geschafft, ihre acht Alben aus den Jahren 1974 bis 2003 in remasterter Form neu auf den Markt zu bringen. Diese digitalen Überarbeitungen waren gerade bei Kraftwerk gleich aus zwei Gründen überfällig: Erstens gab es ihre Longplayer zwar schon seit Urzeiten auf Silberscheibe zu kaufen, doch waren die Erstauflagen klanglich überaus dünn und kraftlos für das Medium CD aufbereitet. Zweitens lebt natürlich gerade der elektronische Sound, mit dem die Düsseldorfer verdientermaßen zu Weltruhm gelangten, von Dynamik und glasklaren Frequenzen. Genau das bieten die Neuauflagen von "Autobahn", "Radio-Aktivität", "Trans Europa Express", "Die Mensch-Maschine", "Computerwelt", "Techno Pop" (ehemals "Electric Cafe"), "The Mix" und "Tour De France Soundtracks". Dabei gibt es diese acht Meilensteine der elektronischen Musikgeschichte sowohl einzeln als auch gesammelt im Rahmen einer opulent im Vinyl-Großformat aufgemachten Box. Das gute Stück heißt "Der Katalog" und bietet wirklich alles, was das Sammlerherz begehrt: Die CDs stecken in schmucken Papptäschchen mit stilvoll überarbeitetem Artwork, während in übergroßen Bilderbüchern rare Bilder aus 35 Jahren Kraftwerk-Historie bestaunt werden wollen. Dieser "Katalog" ist nicht weniger als das würdige Vermächtnis der besten Musikgruppe aller Zeiten. Fantastisch!

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