Die 10 besten Alben - der Countdown

Hocico: "Blasphemies In The Holy Land (live in Israel)" CD
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#10

Auch wenn auf dieser CD außer dem Gesang (bzw. Geschrei) eindeutig nichts live ist: Hier brennt wirklich der Baum. Das mexikanische Bruderpaar Hocico ist die einzige Formation, der ich die aggressive, hasserfüllte EBM-/Electro-Attitüde im 21. Jahrhundert noch abnehmen kann. Werten wir diese limitierte Scheibe am Besten als würdigen Ersatz für eine eigentlich längst überfällige "Best Of"-Zusammenstellung.  Robertos kompletter Kommentar

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Wir sind Helden: "Von hier an blind" CD
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#9

Musikalisch und gesanglich haben sich die Helden auf ihrem Zweitwerk nicht für fünf Pfennig weiterentwickelt; ihre Texte spielen jedoch nach wie vor in einer eigenen Liga und entfalten hier besonders in den zurückgenommenen, selbstreflexiven Songs ihre volle Wirkung. Mit "Nur ein Wort" ist dem Quartett obendrauf noch ein mitreißendes, großartiges Liebeslied gelungen.

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Rotersand: "Welcome To Goodbye" CD
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#8

Zwar bedienen sich Rotersand stilistisch nicht selten überdeutlich bei Covenant ("The Last Ship"), doch haben die Deutschen mit "Welcome To Goodbye" ein wirklich starkes, klanglich sattes Szene-Album vorgelegt. Die Nachlassverwalter von The Fair Sex bieten jedoch nicht nur druckvolles Clubfutter, sondern auch atmosphärische und gesanglich durchaus interessante Nummern.  Das komplette Duell: Christian vs. Lexi

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Rammstein: "Rosenrot" DoCD
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#7

Kaum ein Jahr nach "Reise Reise" schon wieder ein Album - und auch "Rosenrot" macht Spaß. Dass Rammstein niemandem mehr etwas beweisen müssen, tut ihnen gut: So können sie sich dem perfekten Pop zuwenden ("Stirb' nicht vor mir"), ihre lyrischen Qualitäten offenbaren ("Feuer und Wasser") oder einfach mal wieder stilvoll provozieren ("Mann gegen Mann", "Spring").

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Madonna: "Confessions On A Dance Floor" CD
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#6

Zurück in die Zukunft: Madonna macht wieder Disco. Gemeinsam mit Star-Produzent Stuart Price verwurstet die Grand Dame des Pop sogar Abba ("Hung Up") und Sitar-Klänge ("Isaac") zu einer "non-stop all-dance Tour de Force". Bei diesen satten Beats kann man sich des Mitwippens schlichtweg nicht erwehren - und klanglich ist diese Scheibe so edel, dass sie ohnehin über jeden Zweifel erhaben ist.

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Moby: "Hotel" CD
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#5

Man muss sich an seinen Nichtgesang gewöhnen, doch Moby hat zweifelsohne eine Menge zu bieten: Auf "Hotel" finden sich die hymnische Hit-Single "Lift Me Up", die verträumten Popsongs "Where You End", "Dream About Me", "Slipping Away" und "Forever", das smoothe New Order-Cover "Temptation", die Bowie-esken Auskopplungen "Raining Again" und "Spiders" sowie mit der wundervollen Ballade "Love Should" einer der schönsten Songs des Jahres 2005. Das musikalische Chamäleon Moby kennt sich in allen Genres aus, rührt von überall her Zutaten in seinen Topf - und verliert sich glücklicherweise nicht in diesem Gebräu: Mit "Hotel" hat er stattdessen ein pikantes und schmackhaftes Süppchen gekocht.

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Annett Louisan: "Unausgesprochen" CD
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#4

Wer sich an handgemachter Musik und lyrischen Finessen erfreuen kann, ist hier genau richtig: Annett Louisan und ihr Texter Frank Ramond beobachten das (zwischenmenschliche) Leben nicht nur sehr genau, sondern verblüffen ein um's andere Mal mit exakt auf den Punkt formulierten Weisheiten, die vordergründig banal, bei genauerem Hinhören aber wahrhaft tiefgründig sind. Die leichtfüßige, charmante Interpretation der zwischen Chanson, Swing und sanftem Pop hin und her pendelnden Songs macht Mademoiselle Louisan zur für meine Ohren interessantesten Entdeckung der letzten beiden Jahre: "Unausgesprochen" ist die konsequente und gelungene Weiterentwicklung ihrer Debut-CD "Boheme" (2004).  Robertos kompletter Kommentar

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Depeche Mode: "Playing The Angel" CD
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#3

Dass es noch ein Depeche Mode-Album geben würde, war für mich keine Überraschung - dass es aber so gut werden würde, schon. "Playing The Angel" ist ein reifes Alterswerk und scheinbar das erste, das Depeche Mode als Band erarbeitet haben: Dave Gahan durfte zwei Kompositionen beisteuern, die gesamte Scheibe wirkt überaus selbstsicher. Zwar ist fast jedes Stück gespickt mit mindestens einem Zitat aus der eigenen Historie, doch sind die Songs an sich allesamt so schlüssig, dass "Playing The Angel" auf einem durchweg hohen Level spielt. In dieser Form sind Depeche Mode relevanter denn je und verdienen endlich den Kultstatus, der ihnen spätestens seit "Music For The Masses" anhaftet.  Robertos kompletter Kommentar

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Kate Bush: "Aerial" DoCD
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#2

Fast niemand sonst auf diesem Planeten dürfte ein solches Doppel-Album herausbringen - keine einzige Hit-Single, keine noch so geringe Anbiederung an das, was man heutzutage als "in" bezeichnet. Kate Bush allerdings kann sich dieses Wagnis nach weit mehr als 10 Jahren der Abstinenz leisten: Musik ohne jeden Zwang, um ihrer selbst willen und aus einem eigenen, in sich abgeschlossenen Kosmos. Was "Aerial" außerdem völlig von allen anderen aktuellen CDs unterscheidet, ist die naturbelassene Klangfarbe, die aus dem gänzlichen Verzicht auf effektheischende Sounds oder gängige Technik-Spielereien zu resultieren scheint. Absolut einzigartig. Wahre Kunst.  Lexis kompletter Kommentar

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Coldplay: "X & Y" CD
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#1

Chris Martin und Konsorten haben dem Nieselregen, der nöligen Tristesse des britischen Alltags endlich den Rücken gekehrt und sich dem opulenten Breitwand-Pop geöffnet. Viele Bands wären auf halber Strecke gescheitert, doch Coldplay gehen den Weg bis zum Ende: Der Kenner wird die unmissverständlichen Anleihen an große Acts der 70er Jahre wie Kraftwerk und vor allem Pink Floyd mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen, der Klangfetischist sich an der brillanten, luxuriösen Produktion laben. Obendrauf halten Coldplay für den normalen Hörer einfach wundervolle Melodien und tolle Songs bereit. Mit "X & Y" haben sie den Pop-Olymp erklommen.  Das komplette Duell: Christian vs. Roberto vs. Lexi

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Die Sonderpreise

DVD des Jahres
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Kraftwerk: "Minimum - Maximum"

30 Jahre Musikgeschichte von "Autobahn" bis "Aérodynamik" auf zwei Silberscheiben. "Minimum - Maximum" ist ein kompletter Mitschnitt von Kraftwerks triumphaler Welttournee 2004. Keine andere deutsche Band würde in Moskau ebenso wie in Rio de Janeiro, in Tokio wie in London, in Paris wie in New York, in Melbourne wie in Reykjavik Hallen solch beachtlicher Größe füllen. Kraftwerk ziehen noch immer an allen Ecken des Erdballs mindestens 1.000 Leute in einen Konzertsaal - und das zurecht, denn was hier geboten wird, ist mehr als beeindruckend: Es ist fantastisch.

Dieser "KlingKlang-Musikfilm" bringt alle Qualitäten, mit denen die Düsseldorfer über Dekaden weltweit zum Aushängeschild für elektronische Klangkunst aufgestiegen sind, in kompakter und technisch zeitgemäßer Form auf den Punkt: Die Bässe von "Die Mensch-Maschine" drücken mit einer monolithischen Eleganz durch den Raum, dass dem Hörer schon nach zwei Minuten die Haare zu Berge stehen; die mahnende Botschaft von "Radioaktivität" wird bedrohlicher als je zuvor transportiert. Die optische Ästhetik der Darbietung von "Trans Europa Express" verschmilzt mit den aufpolierten Prä-Industrial-Klängen zu einem nie vorher dagewesenen Synchron-Spektakel von Bild und Ton. Das große Finale bildet die exzessive Improvisation "Music Non-Stop", die minutenlang in den Konzertsaal nachhallt.

Gut Ding will bekanntlich Weile haben: "Minimum - Maximum" ist jeden Tag der Wartezeit, jede Sekunde des jahrzehntelangen Darbens wert. Es ist das vielleicht letzte und von Anfang bis Ende begeisternde Lebenszeichen der besten Musikgruppe aller Zeiten. Ein Vermächtnis für die Ewigkeit.

 Lexis kompletter Kommentar

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Konzert des Jahres
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Deine Lakaien (12.08.2005, Capitol Hannover)

In Zeiten exponentiell expandierender Eintrittspreise verdient dieses Event schon deshalb Beachtung, weil es nichts kostete: Ernst Horn und Alexander Veljanov hatten anlässlich ihres 20jährigen Bestehens zu einem einmaligen Konzert ins "Capitol" in Hannover geladen - und jeder, der fix genug war, sich auf der Lakaien-Homepage zu registrieren, durfte kostenlos dabei sein.

Drei weitere Besonderheiten:

  • Es wurden mit Ausnahme der Zugabe "Return" nur Songs aus den Jahren 1986 bis 1991 gespielt.
  • Ernst Horn schleppte sein komplettes damaliges Studio-Equipment, also analoge Synthesizer und Tonbandmaschinen auf die Bühne.
  • Deine Lakaien traten als Duo auf.

Das Ergebnis war beeindruckend: Sowohl die Vokalleistungen Veljanovs auf den teilweise fast unbesingbaren Playbacks als auch die instrumentale Darbietung von Kapellmeister Horn machten deutlich, wie beseelt Independent-Musik sein kann (und sollte!) und um welch großartige Künstler es sich bei Deine Lakaien handelt.

Einziger Wermutstropfen: Warum klang das 2005er-Studio-Album "April Skies" von Horn und Veljanov so leidenschaftslos, wenn die beiden Herren doch nach wie vor zu solch herausragenden Leistungen fähig sind?

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Was sonst noch war

Siehe da: Durch die Auskopplung "Gold" sollte "Jelängerjelieber", dem gelungenen Zweitwerk von Klee, das ich bereits in meinem Jahresrückblick 2004 positiv hervorgehoben hatte, fast ein halbes Jahr später doch noch die verdiente Beachtung zukommen.

Mit einem Comeback der beiden Russinnen t.A.T.u. hatte ich ob des bereits Mitte 2003 versiegten Medieninteresses wirklich nicht gerechnet, doch auch "Dangerous And Moving" bietet unterhaltsame, perfekt produzierte Popmusik.

Goldfrapp meldeten sich mit dem Album "Supernature" zurück, das wohl eine Mischung ihres verträumten Debuts "Felt Mountain" und des schmutzigen Nachfolgers "Black Cherry" darstellen sollte, dabei größtenteils aber leider nicht zum Punkt kam.

Die Szene-Größen Apoptygma Berzerk, VNV Nation, :wumpscut: und Deine Lakaien hatten ebenfalls neue Scheiben am Start: Während die beiden Künstler Ernst Horn und Alexander Veljanov auf "April Skies" jedoch Esprit und Spielfreude weitgehend vermissen ließen (Ausnahmen: "Vivre" und "When You Lose"), holte Handwerker Rudy Ratzinger auf "Evoke" aus seinen zweifelsohne deutlich beschränkteren Möglichkeiten das Optimum heraus. Zusätzlich lohnenswert war die der Erstauflage beigefügte Remix-CD. Ronan Harris lotete auf "Matter + Form" sowohl stilistisch als auch qualitativ die volle Bandbreite aus: Dem routinierten Clubhit "Chrome" standen neben dem melodischen "Homeward" und dem bemerkenswert minimalistischen Instrumental "Colours Of Rain" auch einige Langweiler gegenüber. Stephan Groth wechselte ein weiteres Mal seinen Stil und verschrieb sich auf seinem ebenfalls durchwachsenen Longplayer "You And Me Against The World" dem alternativen Gitarren-Pop. Einigen melodischen Highlights wie "In This Together" und "Love To Blame" stellte er dabei merkwürdig unmotivierte und ideenlose Cover-Versionen von "Cambodia" (Kim Wilde) und "Shine On" (The House Of Love) zur Seite.

Die 80er-Teenie-Schwärme a-ha ("Analogue") und Erasure ("Nightbird") wagten sich mit neuem, allerdings hoffnungslos anachronistischem Material zurück ins Rampenlicht. Wer gerne in Nostalgie schwelgt, wird sich an Songs wie "Birthright" (a-ha) oder "Breathe" (Erasure) durchaus erfreuen können - wer sich hingegen auch nur die kleinste Prise Innovation erhofft, ist hier falsch.

Auch die Veteranen Brian Eno ("Another Day On Earth") und Klaus Schulze, der nach schwerer Krankheit seine CD "Moonlake" präsentierte, kehrten an die Öffentlichkeit zurück. Dass beide wiederkamen, war jedoch interessanter als ihre Alben.

Die Schweizer Klangtüftler Boris Blank und Dieter Meier alias Yello präsentierten ihre hervorragenden ersten sechs Scheiben aus den Jahren 1980 bis 1988 in remasterter Klangqualität und angereichert mit zahlreichen Bonustracks in einer Sammlerbox zum durchaus fairen Preis. Ebenso lohnend waren die Wiederveröffentlichungen der ersten beiden Rheingold-Longplayer von 1980 bzw. 1982.

Was die Welt im vergangenen Jahr natürlich überaus schmerzlich vermisste, war nach "Industrie<>Romantik" (2004) ein neues Kontrast-Album. Doch seid gewiss: 2005 war mit nur einem Konzert (in unserer zweiten Heimat Berga) die klassiche Ruhe vor dem Sturm. Nicht zuletzt seit unserer Nordsee-Session Ende November / Anfang Dezember laufen die Arbeiten am "Aufbruch" auf vollen Touren.

 

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Anderer Leute Wertungen:

2005 Soundtracks: Der Jahresrückblick

3 Kommentare

Nebelgeist sagte am 19.02.2006 um 21:11 Uhr:

2005 Soundtracks

Christian, ich bin stolz auf Dich! ;)

Grandiose Musik, so ungefähr sah mein Jahresrückblick auch aus...nur mit ein bissl mehr Manuela dabei ;)

10 von 10 Sternen

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Christian sagte am 21.02.2006 um 20:42 Uhr:

2005 Soundtracks

Nebelgeist...
...vielen Dank. So viel Lob von Dir hat mich doch ein wenig verlegen gemacht. Manuela - wenn Du die meinst, die ich jetzt meine, fand ich auch nicht so schlecht. Da haben sich Fettes Brot was getraut und das ging ins Ohr. Mich berührte dann "An Tagen wie diesen" aber doch mehr.
Wir sehen uns in Bitterfeld!

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Nebelgeist sagte am 23.02.2006 um 14:37 Uhr:

2005 Soundtracks

Nein, nein...nciht "Emanuela", sondern die Schlagerhippe aus den 60s, "Schuld- war - nur- der - Bossa-Nova- Manuela" ;)

10 von 10 Sternen

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