Vanitas Nr. 5 (1998) zu

ISECS

Magazin: Vanitas Nr. 5 (1998), Frontseite Der Song "Einheitsschritt" wird wohl dem ein oder anderen routinierten Disco-Gänger noch im Gehörgang schweben. Daß Isecs jedoch mehr zu bieten haben als nur "einen" Szenehit, erläutern sie auf den nächsten zwei Seiten:

Vanitas:

Vorab die unvermeidbare Frage nach der Bandhistory: wann, wo, wie und wieso habt ihr Isecs gegründet?

Isecs:

Dirk (Musik) und Roberto (Texte und Gesang) formierten 1992 die Urbesetzung von Isecs. Nach einigen (heute raren) Aufnahmen lag das Projekt dann aber zwei Jahre lang auf Eis. Anfang 1995 lernten wir dann Falko "H" (Programming) kennen und spielten daraufhin die Titel für unser Tape "elektronische Körper-Musik?" ein. Mittlerweile ist auch Dirks Bruder Holger bei Studioaufnahmen mit von der Partie. Uns allen gemeinsam ist das Interesse an fast allen möglichen Spielarten der elektronischen Musik.

Vanitas:

Eurer Song "Einheitsschritt" ist sicher vielen bekannt, da er schnell zum Clubhit avancierte (und einer meiner Lieblingssongs wurde...). Wie kamt Ihr dazu, solch ein untypischerweise szenekritisches Lied zu veröffentlichen, habt ihr Euch in bekannten Szene-Discos dazu inspirieren lassen?

Isecs:

Tatsächlich entstand die Idee zu diesem Song aus der Beobachtung einiger schwarze Gestalten in typischen Szene-Schuppen. Als Roberto den Text schrieb, war er sich schon darüber im klaren, daß sich einige Grufties daran stoßen könnten. Er hoffte aber, daß die Mehrheit der Szene-Gänger die Ironie des Titels erkennen würde. Daß dies nun geschehen ist und daß Lied somit sogar zum "Zillo-Club-Hit" wurde, freut uns natürlich sehr. (Nebenbei bemerkt sind wir damit die erste Band seit 1990, die es wieder geschafft hat, direkt vom Demo-Tape auf einen Zillo-Sampler zu gelangen.)

Vanitas:

Beschreibt doch unseren (noch) unwissenden Lesern einmal Euren Musikstil etwas näher...

Isecs:

Wir machen elektronische Körper-Musik, tief der Gesang und knallhart der Beat.

Vanitas:

Was steht eigentlich hinter Eurem Bandnamen "Isecs"?

Isecs:

Isecs ist die Zusammensetzung der Anfangsbuchstaben der ursprünglichen fünf Wörter unseres Bandnamens. Die Bedeutung dieser Wörter ist aber nicht mehr druckreif.

Vanitas:

Euer neuestes Werk "Tod... find' ich gut" ist ja bereits erschienen. Worum geht es in diesem Song?

Isecs:

Der Text soll auf collagenartige Weise aufzeigen, welch klischeehafte Pennäler-Prosa in der Schwarzen Szene oftmals als hohe Kunst verkauft wird. Dazu haben wir einfach die "schönsten" Textzeilen bzw. Songtitel einiger selbsternannter Todeskünstler aneinandergereiht. Das Ergebnis steht vordergründig zwar für einige Lacher, zeigt aber bei genauer Betrachtung deutlich, wie auch in unserer Szene die Musik plakativ als Werbeartikel vermarktet wird... Das ist dann leider oft das Ende der Kunst.

Vanitas:

Magazin: Vanitas Nr. 5 (1998), ISECS-Interview, 1. Seite Wann wird es eine CD mit Euren Songs geben?

Isecs:

Gute Frage. Bisher waren die Reaktionen der Plattenfirmen mehr als mau, was wahrscheinlich daran liegt, daß wir sowohl musikalisch als auch textlich recht eigenständig, teilweise sogar unbequem sind. Wir lassen uns dadurch aber nicht entmutigen. Außerdem können wir dadurch noch länger an unseren Songs feilen, bis wir irgendwann ein Master-Band haben, daß sowohl uns als auch ein Label hundertprozentig zufriedenstellt. Von vielen DJs bestehen auf jeden Fall Anfragen nach einer CD, die wir momentan leider noch enttäuschen müssen. Dafür wird aber das Ergebnis um so überzeugender ausfallen.

Vanitas:

Wollt ihr die thematische Linie der "szenekritischen Songs" vielleicht noch in einem dritten Song weiterführen (dann hätte Ihr eine tolle Trilogie)?

Isecs:

Tatsächlich bestehen gewisse Überlegungen, allerdings soll die Sache ja auch originell bleiben. Wenn Roberto wieder den zündenden Einfall hat, kann es durchaus noch eine Fortsetzung geben.

Vanitas:

Die anderen Songs auf Eurem Tape haben mich erfreulicherweise ebenso begeistern können wie Eure "Hits", daran läßt sich erkennen, daß Ihr auch in anderer Hinsicht "ernsthafte Konkurrenz" für amtierende Szenegrößen bedeuten könntet. Wer zeichnet sich verantwortlich für das Entstehen Eurer Songs (Texte, Musik) oder seid ihr alle an diesem Prozeß beteiligt?

Isecs:

Daß Dir unsere weniger bekannten Songs ebenso gefallen, freut uns natürlich sehr, denn auch wir halten nicht nur unserer "Hits" für gelungen. Texte und Musik entstehen meist unabhängig voneinander. Dirk entwirft am Computer die musikalischen Ideen, während Roberto nach Gefühlslage die Texte schreibt. Letztlich mischen wir dann zu viert die Stücke im Studio von Falko "H" ab, wobei dann auch Falko "H" und Holger ihre Soundvorstellungen einbringen.

Vanitas:

Seid Ihr bei einem Label oder wollte lieber "unabhängig" bleiben?

Isecs:

Wie schon oben erwähnt, sind wir (noch) "unabhängig". Das hat zwar einige Nachteile, zum Beispiel die fehlende Werbemaschinerie, aber auch den nicht zu unterschätzenden Vorteil der völligen künstlerischen Freiheit. Von daher sind wir wohl eine der wenigen wirklichen "Independent"-Bands...

Vanitas:

Habt Ihr musikalisch auch schon bei anderen Projekten Erfahrungen sammeln können, beziehungsweise sind andere Projekte geplant?

Isecs:

Isecs ist unser erstes Projekt. Wir arbeiten momentan aber noch an anderen Ideen: Falko "H" ist zusätzlich Mischer einer regionalen Alternative-Rock-Band, Roberto hat ein Dancefloor-Projekt im Auge. Außerdem arbeiten Dirk und Roberto momentan an einem Instrumental-Projekt, das stark von der früheren deutschen Sequenzer-Elektronik der siebziger Jahre (Klaus Schulze, Tangerine Dream) inspiriert ist. Wahrscheinlich wird hier am ehesten eine Veröffentlichung anstehen.

Vanitas:

Wie beurteilt Ihr den Trend in der "Schwarzen Szene" heute? Zählt ihr Euch selbst dazu?

Isecs:

Wir gehören wohl insofern zu Szene, daß wir oft in einigen Clubs auftauchen und auch am liebsten die Musik der Szene hören. Auch die Ideale der Szene, die leider mittlerweile fast vergessen sind, gefallen uns natürlich. Aber ob wir nun direkt dazu gehören?! Man merkt manchmal schon, daß man älter wird und somit oft einige Trends an sich vorbeiziehen läßt...

Vanitas:

Was sind Eure "Lieblingsbands"?

Isecs:

Dirk hört am liebsten den Synthie-Pop der frühen achtziger Jahre (OMD, Gary Numan, Depeche Mode). Roberto steht mehr auf Kraftwerk und die oben genannten deutschen Elektroniker. Falko "H" ist unser "EBMler", denn seine CD-Sammlung besteht zum größten Teil aus Leaether Strip-und :wumpscut:-Werken. Holger schließlich favorisiert eher den etwas kommerzielleren 80er-Jahre-Pop von zum Beispiel Alphaville, Boytronic oder Camouflage.

Vanitas:

Was sind Eure persönlichen Top 5 der besten Songs zur Zeit?

Isecs:

Holger fährt momentan ziemlich auf die aktuelle Joachim Witt-CD "Bayreuth I" ab. Dirk hört zur Zeit häufig die Empirion-CD "Advanced Technology", außerdem hat er auch (nach Robertos Hinweis) die Fading Colours-Rille "I'm Scared Of..." für sich entdeckt. Roberto steht derzeit voll auf "Version 2.0" von Garbage. Falko "H" hat sich kürzlich "Ray Of Light" von Madonna zugelegt. Man sieht also, daß wir auch für aktuelle Musik offen sind und nicht nur in der Vergangenheit schwelgen...

Vanitas:

Magazin: Vanitas Nr. 5 (1998), ISECS-Interview, 2. Seite Sind eventuell Zusammenarbeiten mit anderen Bands in Planung?

Isecs:

Dirk hat Kontakt zu "Wry Yelp" zwecks gegenseitiger Remix-Projekte aufgenommen. Außerdem hängen wir auf unseren Konzerten oft mit "Wary Approach", einer noch völlig unbekannten Combo aus unserer Gegend ab. Das war's dann aber auch für's erste...

Vanitas:

Welchen Weg wollt Ihr mit Isecs in Zukunft beschreiten?

Isecs:

Wir wollen unseren musikalischen Stil verfeinern und an einem wirklich durchschlagskräftigen Master-Band arbeiten. Außerdem werden wir versuchen, so oft wie möglich live aufzutreten. Dadurch wollen wir endlich berühmt werden.

Vanitas:

Was haltet ihr vom aufkommenden Trend, daß Bands wie "Project Pitchfork", "Rammstein" oder "Joachim Witt" vermehrt mit Musikclips bei bekannten, kommerziellen Musik-TV-Sendern vertreten sind?

Isecs:

Solange die Qualität der Musik nicht darunter leidet, ist das sicherlich gutzuheißen. So können diese Bands vielleicht endlich einen größeren Bekanntheitsgrad erreichen und somit auch eventuell eine Vorreiterrolle für andere, kleinere Gruppen spielen. Wer weiß, vielleicht wird dadurch ja die Electro-Szene etwas bekannter? Außerdem ist es ganz gut, wenn in den Charts wenigstens ein paar Lichtblicke auftauchen.

Vanitas:

Was ist a) Euer Lieblingsfilm b) Euer Lieblingsessen c) Euer Lieblingsort?

Isecs:

Generell essen wir alle gerne bei McDonalds, dem kulinarischen Spiegel unserer Gesellschaft. Roberto und Holger freuen sich auf den neuen Godzilla-Film da sie die alten bereits mit Hingabe verschlungen haben. Zum Lieblingsort fällt uns leider spontan nichts ein...

Vanitas:

Was macht Ihr neben der Musik beruflich, bzw. habt ihr sonstige Hobbys?

Isecs:

Sollen wir uns wirklich enttarnen? Dann ginge ja unser ganzes Gruftie-Image flöten, auf dem wir uns so gerne ausruhen. Ihr Leser dürft aber gerne raten und die Vanitas-Redaktion mit Euren Briefen bombardieren.

Vanitas:

Was haltet ihr von den zunehmenden Vorwürfen gegen die "Schwarze Szene", daß Sie sich immer mehr vom "rechten Gedankengut unterwandern" lasse, dadurch daß gewisse Ansatzpunkte wie Runen, Mystizismus etc. dazu Gelegenheit bieten?

Isecs:

Daß diese Vorwürfe zunehmen, ist uns nicht aufgefallen, denn uns fielen sie schon seit Jahren auf. Tatsächlich spielen einige Bands mit der "rechten" Thematik, vielleicht sogar etwas zu gedankenlos. Aber so kommt man ja schließlich ins Gerede und verkauft mehr CDs, gelle?! Wir haben mit "Deutsches Land" unserer Ansicht nach eine klare Stellungnahme abgegeben, da wir dieses Thema für zu ernst halten, um daraus Profit zu schlagen.

Vanitas:

Für wann sind die nächsten Liveauftritte von Isecs geplant?

Isecs:

Wahrscheinlich werden wir in September im Walsrode und eventuell im Oktober in Bremen auftreten. Für 1999 planen wir dann einige überregionale Gigs. Wir werden versuchen, unter anderem im Raum Frankfurt / Mannheim, Braunschweig / Hannover sowie Berlin etwas anzuleiern.

Vanitas:

Habt ihr eine religiöse Überzeugung, bzw. glaubt Ihr an Wiedergeburt (oder an den Materialismus...)?

Isecs:

Unserer Ansicht nach sollte jeder sein Leben selbst in die Hand nehmen und an sich selber glauben. Unser Titel "Leben vor dem Tod" ist eine gute Stellungnahme. Generell kann der Glaube Berge versetzen...

Vanitas:

Wohin würdet in Eurem "Leben vor dem Tod" gerne noch einmal reisen?

Isecs:

Holger und Roberto zieht es eher in die nördlicheren Regionen, damit die Haut schön gruftig blaß bleibt. Dirk und Falko "H" können zur Zeit mangels Anwesenheit kein potentielles Reiseziel nennen.

Vanitas:

Abschließenden Worte oder Grüße an Eure Fans?

Isecs:

Wir bedanken uns ganz herzlich für dieses Interview. Jeder, der Interesse an unserer Musik hat, kann uns gerne schreiben.

Vanitas