ASP: Weltunter CD
großartig!
10 von 10 Sternen
©
2003,
Trisol / EFA
Anfang diesen Jahres erschien "Weltunter" - die Single.
Seit ein paar Wochen gibt es "Weltunter" - das Album.
Sänger und Songwriter Alexander Frank Spreng bzw. Asp hat dank seiner kranken Gefühlswelt wieder einige sowohl textlich als auch musikalisch beeidruckende Liederlein kreiert. Zudem hat er anscheinend die Zwischenzeit genutzt um seine Stimme zu ölen bzw. zu trainieren. Ein bißchen Schade find ich, dass der fiepige Sound nicht mehr so markant ist.
Das "Intro" greift melodiös nochmal das Thema der letzten CD "Duett" auf, bevor im fließenden Übergang "Welcome" den Hörer auf den Rest der CD eingestimmt wird. Nach "Weltunter", welches ja schon als Single erschienen ist, kommt das Stück "Stille der Nacht", das den Untertitel "Ein Weihnachtsmärchen" trägt. Es erzählt vom kalten Winter und der fröhlichen Weihnachtszeit ... und natürlich von einem, der Abseits steht und leiden muss. Da passt es doch, dass genau jenes Lied als Single Anfang November in die Läden kommt und dann auf weihnachtdeprimierte Käufer wartet.
In einem Oswald-Henkischen Sprechgesang startet dann auch die "Geisterjagd", die sich aber durch den leicht kitschigen Refrain in eine Art schwarze Schunkelmusik verwandelt. Was "She Wore Shadows" zuviel an positiver Grundstimmung und Geschwindigkeit hat, muss anscheinend bei "Demon Love" geklaut worden sein, da dieses "fast stehende" Stück ein laues Gefühl in der Magengegend verursacht.
Da so gut wie alle Texte von ASP von Sex, Beziehungen oder sexuellen Beziehungen handeln, kann man sich schon vorstellen, dass "Ich will brennen" kein suizidaler Wunsch ist, sondern eher in Richtung "Feuer der Leidenschaft" geht.
In "Hässlich" prangert Asp die Oberflächlichkeit und die Schönheitsideale der Welt an, indem er sich bzw. seine Hässlichkeit (Komplexe?) mit ihr vergleicht. Genau hier passt dann auch noch ein Kommentar zum Artwork, was diese Bezeichnung wirklich verdient hat. Der eh schon hässliche Asp lässt sich zusätzlich durch überlange Zeige- und Mittelfinger entstellen und das ganze Booklet verbreitet eine düstere Atmosphäre, die irgendwo zwischen einem Gruselfilm, den "bösen" Szenen von "Herr der Ringe" und einem Albtraum angesiedelt ist. Wenn nicht Stefan Ackermann von "Das Ich" schon so große Ähnlichkeit mit Gollum hätte, wäre der Asp bei einem Ähnlichkeitswettbewerb mein Favorit.
Mit "Eleison (Why Didn't You Simply Kill Me)" trifft man das erste Mal auf pure Blasphemie, steht dieser Begriff doch für den Gesang des Gottesdienstes. Ob er mit Gott oder einer Frau (vielleicht einer göttlichen) spricht, wird nicht ganz ersichtlich. Offensichtlicher wird es dann bei "Lykanthropie (Es tobt ein Krieg in mir)" könnte man es doch als Fortsetzung von "Die kleine Ballade des schwarzen Schmetterlings" bezeichnen - das Vieh, es lässt ihm einfach keine Ruhe. Mit über neun Minuten dient das Stück "Die Ruhe vor dem Sturm" perfekt als Ende.
Die Besonderheit der limitierten und jetzt schon schwer erhältlichen Version sind:
Aber es kommt ja nicht auf die Verpackung, sondern auf den Inhalt an (in Zeiten von Filesharing ein ziemlich blöder Spruch, um "Werbung" für ne CD zu machen). "Weltunter" ist ein musikalisch abwechslungsreiches Album, die Texte sind sehr persönlich und dadurch eben emotional, weshalb man sie auch nicht verstehen sondern eher fühlen soll.
9 von 10 Sternen
aktualisiert am: 11.09.2003 / inhalt: kontrast / grafik: lexi
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