Klee: "Zwischen Himmel und Erde" CD
Inzwischen ist "Zwischen Himmel und Erde" auch als Sonder-Edition erhältlich, der eine DVD mit dem letztjährigen Tourabschluss-Konzert in Köln beiliegt.
7,5 von 10 Sternen
©
2006,
Ministry Of Sound/Edel
Manchmal kann Pop immer noch die Welt verändern. Für eine dreiviertel Stunde. Für Dich als Hörer. Für den kleinen Raum, in dem Du gerade sitzt.
Draußen kann es regnen, stürmen, schneien - mit der richtigen CD kannst Du trotzdem wärmende Sonne auf deiner Haut spüren. Dieses Wunder zu vollbringen, sind freilich nur wenige Bands in der Lage. Klee ist mit Sicherheit eine von ihnen. Bereits mit dem Debut-Album "Unverwundbar" ließen die Kölner ihre verträumte Spätsommerstimmung in die Behausungen der Platten-Käufer strömen und schufen eines der wunderbarsten musikalischen Erlebnisse des Jahres 2003.
Dank Präsentation auf Stefan Raabs Parallelveranstaltung zum Grand Prix entpuppte sich dieser Sound wenig später sogar als durchaus massenkompatibel. Selbst Nena holte sich die Gruppe ins Vorprogramm ihrer Tournee. Schade nur, dass Suzie Kerstgens, Sten Servaes und Tom Deininger das Wiederaufgreifen des Geistes ihres eigenen Debuts auf dem zweiten Album nicht mehr so richtig gelingen wollte. Dem "Jelängerjelieber" überschriebenen Werk schienen Enthusiasmus und Bauchgefühl des Vorgängers zu fehlen. Etwas zu gewollt sphärisch hatten sie an den nötigen Ecken und Kanten gespart und ein doch etwas zu fades und gleichförmiges Album zusammengestellt.
Anno 2006 nun tönen sie: "Lass mich diesen Fehler richtig machen!" Und es scheint, als ob es ihnen gelungen ist. Erdiger und rockiger denn je, versprühen sie endlich wieder den Charme und den Drang, den schon ihr Debut auszeichnete. Dabei sind die Veränderungen eher unauffällig. Mehr Gitarren, mehr Bass, mehr Schlagzeug und die stärker in den Vordergrund gerückte Stimme von Suzie Kerstgens machen das simple aber wirkungsvolle Erfolgsrezept aus. Es sind Nuancen, die das packende "Zwischen Himmel und Erde" von seinem betulicheren Vorgänger trennen.
Allen voran scheint der Song "Dieser Fehler" Klee im Jahre 2006 zu definieren. Treibende Basslinie, atemloses Schlagzeug, sehnsuchtsvolle Melodie und ein Mitsing-Refrain brauchen den Vergleich mit den immer wieder durchscheinenden Vorbildern New Order nicht zu scheuen. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn diese Nummer nicht der Überhit der anstehenden Tour und die nächste Single werden sollte.
Nicht einmal textlich patzt Suzie Kerstgens hier, ließ sie sich doch von keinem geringeren als Tom Liwa unterstützen. Heraus kamen die bislang vielleicht schönsten Zeilen des Jahres:
"Er sagte, wenn Du mich jetzt verlässt,
ist das der Fehler Deines Lebens!
Ich war schwer beeindruckt,
doch ich hab' nichts darauf gegeben.
Ich sagte, den Fehler meines Lebens
habe ich schon so oft gemacht.
Und irgendwie hat er mich
sicher bis hierher gebracht.Lass mich diesen Fehler,
lass mich diesen Fehler
einmal in meinem Leben
richtig machen!"
Dass es ganz so einfach dann doch nicht ist, erfährt man im Verlauf der folgenden Songs. "Ich vermiss Dich" heißt einer und auch er hat Hitpotential. Einmal mehr erdig und handfest rockend, trotzdem mit einem melodischen und melancholischen Refrain gesegnet, würde er der bereits erwähnten Nena gut zu Gesicht stehen. Die durchaus vorhandene Nähe zu dieser NDW-Ikone - immerhin eine der charismatischsten deutschen Sängerinnen - scheint Klee ebenfalls aufgefallen zu sein. Denn auch das anschließende Breitwand-Epos "Der größte Moment" hätte auf einem Nena-Album eine gute Figur abgegeben.
Schließlich finden sich auch ruhigere Songs auf "Zwischen Himmel und Erde": Die sich nach und nach erschließende Vorab-Single "Die Stadt" etwa schwelgt glückstrunken in der schon mehrfach herbeizitierten Spätsommerstimmung. Suzie Kerstgens tut ihr Übriges und sorgt mit ihrer erotisch aufgeladenen Stimme für Prickeln und Gänsehaut. Das nicht minder aufregende Finale "Am Ende der Liebe" beginnt sogar als Klon von John Lennons "Imagine" und endet als Schmachtfetzen par excellance mit dicken Streichern und stolzen Bläsern a la Trevor Horn und Pet Shop Boys.
Sicherlich sind nicht alle Songs so makellos gelungen. "Nicht ein Wort" kommt über kompositorisches Mittelmaß leider nicht hinaus und schafft es nicht, einen wirklichen Höhepunkt zu setzen. Auch "Zu anderen Ufern" bleibt trotz "Wonderwall"-Streichern auf halber Strecke stecken.
Unterm Strich bleibt jedoch einmal mehr ein stimmungsvolles Deutschpop-Album und eine Empfehlung für alle New Order-, Coldplay-, Nena- und natürlich Sommerfans.
7,5 von 10 Sternen
Inzwischen ist "Zwischen Himmel und Erde" auch als Sonder-Edition erhältlich, der eine DVD mit dem letztjährigen Tourabschluss-Konzert in Köln beiliegt.
7,5 von 10 Sternen
aktualisiert am: 07.09.2006 / inhalt: kontrast / grafik: lexi
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