Assemblage 23: "Disappoint" MCD

Cover: Assemblage 23: Disappoint MCD © 2001, Accession-Records / EFA

Im Frühjahr 2001 schickte der Amerikaner Tom Shear das zweite Album "Failure" seines Projektes Assemblage 23 ins Rennen. Seine Band als kleinen Bruder von VNV Nation zu bezeichnen, ist fast schon höflich ausgedrückt. So gesehen handelte es sich auch um ein ziemlich überflüssiges Album - wären da nicht ein paar überzeugend gute, atmosphärische Songs wie "Awake" und "King Of Insects" sowie die gut ins Szene gesetzten Hits "I Am The Rain" und "House On Fire" gewesen.

Der Erfolg der erprobten Mixtur aus bekannten Szenezutaten lies auch nicht lange auf sich warten und somit präsentieren uns Assemblage 23 passend zum Weihnachtsfeste ein Remixalbum. Die Vorhut bildet die hier vorliegende Maxi "Disappoint" mit nicht weniger als 7 neuen Versionen des Stücks.

Warum nun gerade dieser musikalisch recht unspektakuläre Song ausgesucht wurde, kann nur vermutet werden. Vielleicht liegt es ja am sehr dramatischen Text. In ihm versucht Tom Shear den Selbstmord seines Vaters zu verarbeiten. Er sucht nach den Gründen und ist gepeinigt von Selbstzweifeln: "Did I disappoint you? Did I let you down? Did I stand on the shore and watched you as you drowned?", bittet um Vergebung und inneren Frieden: "Can you forgive me? I never knew the the pain you carried deep inside of you.", um mit den folgenden traurigen Zeilen zu enden: "Though you are gone I am still your son. And while your pain ist over mine has just begun."

Leider gelang es Assemblage 23 auf dem Album nicht, diesen Text adäquat in Musik umzusetzen. Ein guter Ansatz also für die Remixer. Doch fast alle versagten an diesem Punkt ebenso. Das gilt auch für Tom Shear selbst, der den ersten Mix beisteuert. Seine Stimme geht noch weiter im Disco-Stampf unter als im Original. Viel ist ihm zu seinem eigenen Stück nicht eingefallen. Ähnliches gilt für die Version von L'ame Immortelle und erst recht für den entbehrlichen Lights Of Euphoria-Standard-Remix.

Überraschenderweise sind es Funker Vogt, die die musikalischen Qualitäten des Stückes erst richtig auf den Punkt bringen. Respekt!

Bleiben noch die etwas wagemutigeren Bearbeitungen: Albert Deal versucht sich mit dünnem EBM/Techno-Bumm-Bumm im Stile der frühen 90er incl. des obligatorischen HardTrance-Trommelwirbels. Nur selten entsteht hier Atmosphäre, Druck erst recht nicht. Ed Vargo von THD krallt sich nur ein, zwei Melodiefolgen, läßt den Gesang gleich ganz außen vor und bastelt eine Endlos-Schleife aus ebenfalls früh-90er Trance-Elementen. Ermüdend!

Doch einem Team ist es gelungen, dem Thema die nötige Dramatik zu verleihen und die ganze Tragik des Textes herauszuschälen: In The Nursery! In ihrem "Affinity"-Remix steht der durchaus bewegende Gesang Tom Shears im Vordergrund, der nun erstaunlicherweise gar nicht mehr so gleichförmig in sich hineingrummelt. Die mal etwas fernöstlich anmutende, mal typisch streicherorientierte Instrumentierung bietet endlich genug Raum dafür. Mit einem Wechselspiel von zurückhaltendem Arrangement und Steigerungen verstehen es In The Nursery, einen Spannungsbogen aufzubauen, der genug Platz läßt für eigene Gedanken. Vor allem in Zusammenhang mit dem Text ein Meisterwerk! Ein Vergleich mit dem fantastischen Ernst Horn-Remix von Wolfheims "Heroin, She Said" ist keinesfalls fehl am Platze!

Nur: Ein genialer unter 7 ansonsten recht entbehrlichen Mixen, macht noch keine tolle Remix-Scheibe. Immerhin sind die Versionen so angeordnet, daß diese Maxi in ihren 42 Minuten Spielzeit kaum langweilt.

Lexis Wertung:

* * * * * * * - - -

7 von 10 Sternen

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