Buggles: "The Age Of Plastic" CD
©
1980,
Island Records
Super-Pop! |
Die Geburt der 80er Jahre |
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Wenn Produzenten Musik machen, muß nicht zwangsläufig etwas Schlechtes dabei herauskommen - zumindest wenn ein Genie wie Trevor Horn dahinter steckt. Der Mann, der später Acts wie Frankie Goes To Hollywood, Art Of Noise, Propaganda, ABC, die Pet Shop Boys oder Seal produzieren sollte, begann seine musikalische Karriere in den 70ern als Arrangeur für einige Amateur-Bands und mit dem Erstellen von Werbetrailern. Nebenher verdiente er Geld als Bassist für Tina Charles ("I Love To Love"). Dort lernte er auch den Keyboarder Geoff Downes kennen. Zusammen mit Bruce Wooley, Thomas Dolby und Hans Zimmer (heute gefragter Hollywood-Komponist) gründeten sie die Band Camera Club. Doch dieser Combo war kein langes Leben beschieden, sodaß Horn und Downs einen Neustart unter dem Etikett Buggles versuchten. Und der war furios! Das noch mit Hilfe des alten Kameraden Bruce Wooley entstandene "Video Killed The Radio Star" enterte 1979 sämtliche Charts. Den Buggles war nichts Geringeres als der perfekte Popsong gelungen. Noch heute kennt jeder diese packende Discohymne, die selbst nach 23 Jahren noch nichts an Schwung, Frische und Lockerheit eingebüßt hat. Sowohl Strophe als auch Refrain sind catchy und zwingen regelrecht zum Mitsingen. Die Produktion ist an Einfallsreichtum kaum zu überbieten: Das charakteristische, perlende Klavierspiel wird nach und nach von mehr Synthesizer-, Bass- und Rhythmusspuren sowie punktgenau plazierten Streichern gestützt, die teilweise sogar Bezug zum Text aufnehmen. Dem telefonartig klingenden Gesang von Trevor Horn werden erst typische Dance-Vocals gegenübergestellt, bis er im Refrain von einem kleinen Frauenchor abgelöst wird - ein extrem reizvolles Wechselspiel! Schillernde Synthesizer-Fanfaren lockern das Arrangement auf und kurz vor dem großen Finale sorgt ein ideenreicher Anticlimax noch einmal für richtig Spannung. Großartiger Glamourpop irgendwo zwischen Abba und Supertramp. An diesen Erfolg sollten die Buggles nie wieder anknüpfen können. Sie deshalb als ein One Hit Wonder abzustempeln, wäre aber absolut falsch. Daß sie zu mehr als nur einem verdienten Zufallshit fähig waren, bewiesen sie mit ihrem Debutalbum "The Age Of Plastic" aus dem Jahre 1980. Dies enthielt neben besagtem "Video Killed The Radio Star" noch jede Menge weitere Highlights. Darunter die zweite Singleauskopplung "The Plastic Age" - ebenfalls eine farbenfroh produzierte, putzige Popnummer mit jeder Menge Verve. Eine romantische, verträumte Ballade mit verführerischem Vocodergesang wie "I Love You (Miss Robot)" fehlte ebenso wenig wie augenzwinkernder Disco-Rock mit angenehm zurückhaltenden Gitarren in dem Stück "Clean, Clean". Natürlich versuchten Horn und Co. auch, das Erfolgsrezept von "Video Killed The Radiostar" erneut aufzugreifen. "Elstree" ist so ein Song, der aber wiederum mit schönen Melodien und Atmosphäre in den Bann zieht. Die CD-Version des Albums offenbart mit zwei schillernden Single-B-Seiten weitere Facetten der Buggles: "Island" ist eine schnuckelige Reggae-Interpretation mit den Mitteln des Pop und "Technopop" eine fast alberne, dennoch faszinierende Disconummer. Schließlich wurde hier auch noch "A Very Different Version" des Tracks "Johnny On The Monorail" wiederveröffentlicht, die weitaus opulenter und überzeugender als die Albumeinspielung daherkommt, denn hier rocken die Buggles erstmals wirklich! "The Age Of Plastic" ist ein lohnenswerter Trip in die Popgeschichte mit Ideen, die noch heute überzeugen. Hier liegen die Wurzeln für unzählige spätere Trevor Horn-Produktionen wie die Hits von Frankie Goes To Hollywood und ABC. Diese zu entdecken macht Spaß und ist schlichtweg gute Unterhaltung. Da verzeiht man sogar Trevor Horns viel zu große Brille ... |
Wer kennt ihn nicht, diesen Titel, der einem auf jeder guten 80er-Jahre-Party mit Sicherheit entgegen schallt? Diesen Titel, der schon mindestens dreimal (zuletzt gerade in 2001) gecovert wurde, ohne dass daraus auch nur annähernd noch einmal so ein Hit wurde wie im Original? Diesen Titel mit der unheimlich leichtläufigen, fast kinderliedartigen Melodie, dem unverkennbar quiekigen "Aua, Aua" als Erkennungzeichen und der Männerstimme, die klingt wie durch's Telefon - oder eben durch ein altes Radio? Mit diesem Refrain, der einerseits sofort hängen bleibt, andererseits aber auch nach dem 18 593. Hören einfach nicht langweilig werden will: "Video Killed The Radio Star"... Ja, diesen Titel kennt man. Aber von wem er stammt, das wissen schon weitaus weniger Leute. Und den Allerwenigsten ist bekannt, dass die BUGGLES nicht nur diesen einen Song veröffentlichten, sondern insgesamt zwei Alben und - glaube ich - vier Singles. Gewiss, ein wirklicher Hit war nur der oben genannte, unsterbliche Ohrwurm. Und was für einer: Die erste Nummer 1 von Island Records in England, Nummer 1 in Italien für sage und schreibe 23 Wochen! Da wundert es kaum, dass alle späteren Veröffentlichungen der BUGGLES diesen Erfolg nicht mehr toppen konnten. Der Reihe nach. Das Trio Trevor Horn, Geoffrey Downes und Bruce Woolley gründete 1978 das Projekt BUGGLES. Sie schickten Demo-Bänder an alle Adressen in ihrer Heimat England, doch keine Plattenfirma hatte auch nur das geringste Interesse daran. Durch einen Zufall bekam der Chef von Island Records in Amerika, Chris Blackwell, irgendwann eines der Demos in die Hände und ordnete seinen Londoner Mitarbeitern an, diese neue Band umgehend unter Vertrag zu nehmen - koste es, was es wolle. Natürlich kostete es Anfang 1979 noch nicht viel, Bruce Woolley hatte die Band sogar schon frustriert verlassen. Chris Blackwell war in der Tat wohl der erste Mensch, der dem Charme von "Video Killed The Radio Star" erlag. Im August 1979 hatten die BUGGLES drei Songs studiofertig aufgenommen und veröffentlichten "Video..." als ihre Debut-Single. Der Rest der Geschichte ist bekannt. Doch was nun? Bei diesem Erfolg mussten weitere Singles, am Besten gleich ein ganzes Album her. Horn und Downes schrieben die Songs in den wenigen freien Minuten, die sie während des ganzen PR-Stresses noch hatten und bekamen tatsächlich zu Weihnachten 1979 ihren Longplayer "The Age Of Plastic" fertig. Das Quasi-Titelstück "(Living In) The Plastic Age" wurde zugleich die nächste Single. Doch beide Veröffentlichungen blieben kommerziell hinter den Erwartungen der Plattenfirma zurück, ebenso die dritte Single "Clean Clean". Wahrscheinlich deshalb, weil sich kein zweites "Video..." auf dem Album befindet. Vielleicht auch deswegen, weil die BUGGLES nie eine wirkliche Band waren, um die sich ein Starkult entwickeln konnte, sondern irgendwie immer schon ein Projekt (und damit mehr als wegweisend für die 80er Jahre): Von wem zum Beispiel stammt die Frauenstimme in "Video Killed The Radio Star"? Das Projekt BUGGLES jedenfalls endete kurz nach der dritten Single vorläufig, da sich Horn und Downes der großen britischen Rockband YES anschlossen. Einige Zeit später reaktivierten sie die BUGGLES-Idee und brachten mit "Adventures In Modern Recording" noch einen zweiten Longplayer heraus, was kommerziell aber in einem Desaster endete. Trevor Horn wurde danach einer der erfolgreichsten und besten Produzenten der 80er Jahre: Klassische Alben von ABC ("The Lexicon Of Love"), FRANKIE GOES TO HOLLYWOOD oder THE ART OF NOISE gehen auf sein Konto. Obwohl auf "The Age Of Plastic" in der Tat kein zweites "Video..." zu finden ist (vielleicht mit Abstrichen noch "Elstree"), ist diese Platte für mich der Beginn der 80er Jahre. Hier spürt man, dass zwei Leute bereits 1979 verstanden hatten, wie man exakt pointierte (Synthie-)Pop-Songs schreibt, denen es trotz aller Eingängigkeit nicht an Tiefe fehlt. Vor allem aber hatten die BUGGLES Sinn für Inhalte, die in den frühen 80ern an der Tagesordnung waren und / oder futuristisch anmuteten: Titel wie "Astroboy", "I Love You (Miss Robot)" oder eben "The Plastic Age" waren thematisch ein perfekter Spiegel der damaligen Zukunftsvisionen. Hinzu kommen der oben bereits erläuterte, wegweisende "Projekt"-Gedanke und die damit korrespondierenden, technisierten Plattencover (die aus heutiger Sicht natürlich schon ein wenig antiquiert und unfreiwillig komisch wirken). In Ermangelung eines entsprechend vollständig elektronischen Instrumentariums oder gar einer Synthie-Pop-Tradition verwendeten die BUGGLES Synthesizer und "richtige" Instrumente (Schlagzeug, Bass, Klavier, E-Gitarre, sogar Saxophon) gleichberechtigt und verschmolzen deren Klänge zu einer eigen- und einzigartigen Melange, wie man sie seit spätestens 1983 nicht mehr hat genießen dürfen. Die Geburt der Wave-Musik auf den Bassfiguren des Punk und den Refrain-Gesängen des Glam-Rock wird hier überdeutlich hörbar. Und erst die Produktion: Trevor Horn war schon als Newcomer ein Genie! Welche Klangbreite, welch wunderschöne Analog-Sounds ("The Plastic Age"), welch großartige Streicher-Arrangements ("Elstree"), welch Ideenreichtum! Umso größer erscheint diese Leistung, wenn man sich vor Augen hält, unter welchem Druck dieses Album komponiert und eingespielt werden musste. Trotzdem wurden die Songs nicht einfach dahingeschludert, sondern mit unheimlich viel Liebe zum Detail ausgearbeitet. In "I Love You (Miss Robot)" heißt es z.B. "I talk of love on the telephone..." - im Hintergrund tutet ein Telefonhörer, nur einmal, nur an exakt dieser Stelle. So etwas passiert normalerweise nicht, wenn man keine Zeit im Studio hat. Auch die Songs können sich hören lassen: Sie sind vielleicht in ihrer Gesamtheit nicht ganz so eingängig wie "Video Killed The Radio Star", offenbaren aber nach mehrmaligem Hören ebenfalls absolute Ohrwurm-Qualitäten. Einzig "Astroboy" ist ein wenig schwach auf der Brust, wirkt mir zu konventionell, zu brav. Die anderen sieben Titel sind allesamt ihr Geld wert und machen dieses insgesamt nur 36minütige Album zu einem der definitiven Klassiker der 80er Jahre. Auf die remasterte CD-Version von "The Age Of Plastic" hat man zusätzlich noch die B-Seiten der drei Singles draufgepackt, die man sich ganz gut anhören kann, die einen aber auch nicht vom Hocker reißen. Fazit: Kaufen, kaufen, kaufen! Großer Klassiker und kleines Meisterwerk zugleich! |
Lexis Wertung:
8,5 von 10 Sternen |
Robertos Wertung:
9 von 10 Sternen |
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