a-ha: "Lifelines" CD
©
2002,
WEA
Schöner Schein, wenig Sein |
Quantität statt Qualität |
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Selten ist mir eine Rezension so schwer gefallen wie diese. Es gibt Platten, zu denen will einem einfach nichts einfallen. Dabei waren die Voraussetzungen gar nicht mal so schlecht. Denn eigentlich mochte ich a-ha immer, zählte und zähle sie neben den Pet Shop Boys zu einer der größten Popbands der 80er. Ihre Klassiker wie das strahlende Meisterwerk "The Sun Always Shines On TV" und die wundervolle Ballade "Hunting High And Low" entfalten noch heute ihre volle Wirkung und zeugen davon, daß die drei Norweger weitaus mehr als eine Teeniegroup waren. Trotzdem begann ihr Stern in den 90ern zu sinken. Nach dem 93er Album "Memorial Beach" ward nichts mehr von ihnen gehört. Erst 2000 meldeten sich Morten Harket, Magne Furuholmen und Pal Waaktar mit "Minor Earth, Major Sky" zurück. Mit nicht weniger als vier ausgekoppelten Singles demonstrierten sie, daß sie auch heute noch in der Lage sind, großartige und erfolgreiche Popsongs zu erschaffen. Allerdings zeigte sich auch, daß ihr Stil - vor allem durch Morten Harkets Gesang - auf der Länge heutiger Alben ein wenig zu variationsarm ist. Verblüffend war allenthalben, daß sowohl die Stimme (vor allem in "Summer Moved On") als auch das Aussehen des Frontmannes anscheinend keinem Alterungsprozeß unterliegen. (Hier spricht der Neid des Autors...) An all diesen Parametern hat sich auch im Jahre 2002 nicht viel geändert. Und möglicherweise ist genau das mein Problem. Zwar wurde dem neuen Album "Lifelines" mit "Forever Not Yours" wiederum eine brillante Single vorausgeschickt, doch kann ich mich mit der Full-Time-CD nicht so recht anfreunden. Der wohlbekannte, nur marginal veränderte Stil des Vorgängers wird nunmehr fünfzehn Tracks lang zelebriert und wirkt dabei lange nicht mehr so frisch wie beim Comeback. Zu poliert und glatt wirkt beispielsweise "Time And Again", zu bemüht der Britpop-Versuch "There's A Reason For It" und zu einfallslos das an John Miles' "Music" gemahnende Stück Boygroup-Plastikpop namens "Oranges On Appletrees". Nicht mal vor der Bankrotterklärung eines von seinem eigenen Stück gelangweilten Musikers - der chromatischen Verschiebung des Refrains - schreckt man hier zurück. Bisweilen muß man gar zusehen, wie die gestandenen Herren ihren musikalischen Ziehkindern hinterherlaufen: Der Titelsong "Lifelines" klingt z.B. wie eine billige Kopie der deutschen Slut - ohne deren jugendlichen Charme allerdings. Nur selten weiß das Trio mit einfallsreicher, farbiger Produktion aus dem eigenen Stilgefängnis auszubrechen: "Did Anyone Approach You" erinnert an die Rave-Bewegung Ende der 80er. Dem zauberhaften "Dragonfly" hauchen Spinett-Klänge a la Stranglers Schwung ein. Und "Solace" bietet entspannten Late-Night-Pop mit schluffigen, elektronischen Beats. Leider kann die versierte Produktion nicht alle Songs retten. "Afternoon High" weht frisch, frei und beschwingt Sommergefühle in die gute Stube, wirkt letztenendes aber doch zu langgestreckt. "Cannot Hide" (welch programmatischer Titel!) kann trotz farbiger Umsetzung nicht über seine Belanglosigkeit hinwegtäuschen. Selbst der liebliche Gesang von Annelie Drecker in "Turn The Lights Down" vermag das fade Mittelmaß solcher Stücke nicht zu kompensieren. Da wirkt der Versuch, "White Canvas" durch ein wenig John Lennon-Klavier-Feeling aufzupeppeln, fast schon putzig. Die restlichen Titel vergißt man trotz einer netten Idee hier und einer kleinen Facette da noch während sie laufen. Ein lustloser Schnellschuß, dieses Album. Weniger wäre auch hier wieder weitaus mehr gewesen. Es macht einfach keinen Spaß, sich durch die 15 Songs zu quälen. |
Ein merkwürdiges Album. War es bei einer a-ha-Platte bisher stets so, dass man nach spätestens dem dritten Hören alle Songs problemlos mitsummen konnte, so benötigte das neue Werk "Lifelines" insgesamt sieben (!) komplette Durchläufe, ehe sich fünf oder sechs Titel wirklich in meinen Gehörgängen festsetzten. Soll man dies nun positiv bewerten oder eher nicht? Begeben wir uns zunächst auf Ursachenforschung: Der Sound ist irgendwie anders geworden; es fehlt vielen Titeln dieser charakteristische Klang, der noch beim Vorgänger "Minor Earth, Major Sky" schon vor dem Einsatz von Morten Harkets Stimme unverkennbar signalisierte: Holla, das sind a-ha. Ausnahmen sind das Titelstück "Lifelines" und die Vorab-Single "Forever Not Yours", die noch am Ehesten an alte Zeiten erinnern. Höchstwahrscheinlich liegt dieser Wandel darin begründet, dass es sich bei "Lifelines" um eine Produzenten-Platte handelt; ein Album also, bei dem die drei Norweger den finalen Mix vieler Songs nicht (wie gewöhnlich) selbst erledigten, sondern die Kontrolle in die Hände von illustren Persönchen wie z.B. Stephen Hague (New Order, Pet Shop Boys) legten. Leider blieb hier neben dem gewohnten a-ha-Sound auch ein Teil der Ideen und der Leichtgängigkeit auf der Strecke, die den Vorgänger "Minor Earth, Major Sky" zur perfekten Unterhaltung geraten ließen. Entscheidend ist aber vor allen Dingen, dass viele Songs irgendwie unfertig, teilweise extrem belanglos anmuten. "Did Anyone Approach You?" oder "Oranges And Appletrees" sind einfach zu banal ausgefallen, "Afternoon High" wirkt mit seiner quietschigen Melodielinie schlicht nervig. Glücklicherweise haben sich a-ha auf "Lifelines" nicht lumpen lassen und legen immerhin stattliche 15 Songs vor, von denen natürlich auch einige zu gefallen wissen: Höhepunkte sind für mich das dichte, balladeske "Time And Again", das rockig angehauchte "Less Than Pure", welches durch seine knackige Basslinie und die satte Produktion überzeugt, sowie das traumhaft schöne Duett "Turn The Lights Down", in dem Morten Harket von der ehemaligen BEL CANTO-Chanteuse Anneli Drecker begleitet wird. Mit Abstrichen folgen "You Wanted More", "White Canvas" und die beiden Singles "Forever Not Yours" und "Lifelines". Der Rest ist irgendwie seltsam unmotivierte Hausmannskost, die den Eindruck erweckt, als hätten a-ha für ihre neue CD eher auf Quantität denn auf Qualität geachtet. Wäre es nicht vielleicht besser gewesen, eine Platte mit elf wirklich starken Nummern zu veröffentlichen als (wie hier) so viele Mitläufer durchzuschleppen? Bezeichnenderweise können auch die zahlreichen Produzenten den größtenteils durchschnittlichen Songs kaum positive Facetten verleihen - im Gegenteil: Der ganze Krempel wirkt extrem gleichförmig, wenig beseelt und ohne Esprit. Schade eigentlich. "Lifelines" ist ein guter Beleg dafür, dass weniger häufig doch mehr sein kann. Und hört man das neue a-ha-Album im Vergleich zu beispielsweise ihrem 1988er-Werk "Scoundrel Days", so wird diese These leider zur Gewissheit. Nichtsdestotrotz wird "Lifelines" mal wieder alle Verkaufsrekorde brechen - wir brauchen uns also keine Sorgen darüber zu machen, dass nicht in spätestens zwei Jahren eine neue Scheibe erscheinen wird. Hoffen wir, dass es den Norwegern dann wieder gelingen wird, sich auf ihre Stärken zu besinnen. |
Lexis Wertung:
5 von 10 Sternen |
Robertos Wertung:
5,5 von 10 Sternen |
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