Die Rückkehr der Etablierten und der Tag, an dem der Grand-Prix starb

Das ganze Spektakel begann eigentlich relativ unspektakulär. Bei einem Grünkohlessen, einer beliebten Winterbeschäftigung im Norden der Republik, lernte ich den Dirk kennen. Schnell kamen wir auf unser heutiges Lieblingsthema, die Musik, zu sprechen und entdeckten viele musikalische Gemeinsamkeiten. So entstand wenig später auch die Idee, bei Robotnik als Schreiberling mitzuwirken.

Fast zeitgleich versuchte anderenorts die Musikindustrie, auf den sehr gut rollenden Love-Metal-Zug aufzuspringen und schickten das gecastete Düsterrock-Pop-Projekt "Nu Pagadi" ins Rennen, das mit "Sweetest Poisen" eine bei den jüngeren und durch häufigen Jamba-TV-Konsum abgestumpften Hörern durchaus beliebte Single mit wenig eigenen Ideen auf den Markt schmiss. Wenig später war's das dann auch wieder: Aufgrund musikalischer Differenzen löste sich die Band dann auch schon wieder auf. Auf den weiteren Verlauf meines musikalischen Jahres 2005 wirkte sich das jedoch nur wenig aus. Diese Anekdote zeigt lediglich, dass selbst eine sonst so wenig von medialem Interesse bedachte Nische nicht vor der Industrie sicher ist, wenn sich hier ein oder in diesem Falle vier Goldesel verstecken könnten.

Apropos Industrie: Aus einer der soeben angesprochenen Castingmaschinen entsprang auch Gracia, eben die Künstlerin, die unser Land, immerhin dem Land der Dichter und Denker, mit einem sicherlich technisch anspruchsvollen jedoch seelenlosen Liedchen von der Stange beim Grand Prix 2005 vertreten sollte. Ihr Titel "Run And Hide" schlug jedoch auch den letzten Stimmwilligen in die Flucht, so dass am Ende ein unglücklicher letzter Platz heraussprang. Nur der großzügigen monetären Unterstützung ist es zu verdanken, dass auch der Grand-Prix 2006 mit deutscher Beteiligung stattfindet. Was haben nun die erfolgreicheren Interpreten und Songschreiber anders gemacht? Auffällig viele setzten erneut auf Ethno-Sounds. Hätten wir auch können, jedoch hat wohl keiner an Qntal, Helium Vola oder Faun gedacht. Da haben die Scouts aber schön gepennt.

Wesentlich authentischer und Erfolg versprechender wäre doch auch die Teilnahme von Rammstein oder den Einstürzenden Neubauten gewesen, die unsere Industrienation wie kaum ein anderer musikalischer Vertreter hätten repräsentieren können. Mit dem Titel "Europatanz" (in Anlehnung an den Siegertitel von 2004 "Wild Dances" von Ruslana Lyzhichko) hätte man sicherlich gute Chancen gehabt. Stattdessen wird schon mal eine Vorauswahl getroffen, mit der die stimmgewaltigen Kinder, die in den vergangenen Jahren ihre ohnehin schon arg gebeutelten Handyrechnungen strapazierten, wohl nichts mehr anfangen können.

Es war schon sehr interessant, dass die "Gegenveranstaltung" von Stefan Raab gerade bei der Zielgruppe der über 20-jährigen mit den besseren Interpreten und Songs für mehr Enthusiasmus sorgte, als der eigentliche Vorentscheid selber. Zudem waren dort auch die besseren Songs und Interpreten vertreten.

Nun aber zurück zur Szene: phänomenal waren für mich die überaus erfreulichen und erfolgreichen Veröffentlichungen zahlreicher etablierter Acts, um die es zuvor sehr still geworden war. Depeche Mode, Nine Inch Nails, Paradise Lost, New Model Army, Phillip Boa oder die Simple Minds, um einige zu nennen, konnten mit ihren Veröffentlichungen für mehr oder weniger großes Aufsehen sorgen. Vor allem "Playing The Angel" von Depeche Mode war das Medien bestimmende Album des ausklingenden Jahres. Das Comeback des Jahres feierten Pink Turns Blue. The Mission konnten mit einer sehenswerten DVD auf sich aufmerksam machen. Auch die Halme von Kraftwerk waren mit "Minimum Maximum" vertreten. Somit war 2005 ein hinsichtlich der Veröffentlichungen sehr erfreuliches Jahr.

Die musikalische Enttäuschung 2005 waren indes New Order. Routiniert aber langweilig und ohne packende Hooklines machte "Waiting For The Siren's Call" nur wenig Spaß.

Bei all diesen klangvollen Namen hatten es die Newcomer natürlich sehr schwer und blieben größtenteils im Schatten stehen. Wahrscheinlich auch, weil das Musikfernsehen immer mehr zum Werbefernsehen mutiert ist und musikalische Nischen dort kein Forum mehr finden. Schade, denn stattdessen gibt es noch mehr Klingeltonwerbung, noch mehr Pimp My ...-Shows und neuerdings auch Game-Shows, die wirklich niemand braucht.

Für mich persönlich war dieses Jahr geradezu atemberaubend. Absolutes Highlight war die Geburt meines ersten Kindes im Juli. Ein Erlebnis, das ich als vollkommenes Glück beschreiben möchte. Kurz zuvor war leider ein sehr nahe stehender Verwandter verstorben, ausgerechnet auf meinem Geburtstag. Den passenden Soundtrack für Freud und Leid, das so nahe beieinander liegt, schrieb Moby. Sein "Lift Me Up" traf meine Stimmung wie sinnbildlich die Faust das Auge und ist mein Lied des Jahres 2005.

Und dann sind da noch die Jungs von Kontrast und Robotnik, die mir die Gelegenheit boten, an einer Aufnahmesession zum akustischen Remake meines Kontrast-Favourites "Eisberg" aktiv mitzuwirken. Nochmals Danke dafür!

 

Die 10 besten Alben - der Countdown

Nine Inch Nails: "With Teeth" CD
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#10

Ja lebt denn der alte Trent Reznor noch? Ja, er lebt noch. Auch wenn die Qualität der beiden Vorgängeralben "The Fragile" und "The Downward Spiral" nicht erreicht werden kann, ist es schön, den Meister des Industrialrock wieder unter den Lebenden zu wissen.  Christians kompletter Kommentar

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Paradise Lost: "Paradise Lost" CD
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#9

Haben sich auf Ihre alten Tugenden und Stärken zurückbesonnen. Starkes Album voller Epik und harter Gitarrensounds.  Christians kompletter Kommentar

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Qntal: "IV Ozymandias" CD
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#8

Qntal entführen auch auf ihrem vierten Album in atemberaubende Klangwelten voller Mystik und Emotionen.

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New Model Army: "Carnival" CD
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#7

Auch nach 25 Jahren klingen die Jungs um Justin Sullivan auf ihrem 9. Studio-Album noch erstaunlich frisch, ohne sich selber zu kopieren.  Christians kompletter Kommentar

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Apoptygma Berzerk: "You And Me Against The World" CD
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#6

Dieses Album polarisiert. Stephan Groth erobert die Independent-Rock-Welt mit einer schönen Mischung aus poppigen Melodien und subtiler Härte. Fans der alten, elektronischen Sounds werden zwar enttäuscht, jedoch dürfte "You And Me Against The World" viele neue Fans anziehen.  Christians kompletter Kommentar

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Depeche Mode: "Playing The Angel" CD
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#5

Routiniert und souverän entschädigt "Playing The Angel" mit zeitlosen Pop-Perlen wie "Precious", "Liliam" oder "The Pain That I'm Used To" für den - aus meiner Sicht - schwachen Vorgänger "Exciter".  Robertos kompletter Kommentar

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Coldplay: "X & Y" CD
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#4

Eine positive Überraschung war dieses Album. Der emotionale Overkill des Vorgängers wurde durch tiefgründige Rocksounds mit einer Mischung aus U2, The Verve, den Beatles und Pink Floyd ersetzt, die immer noch viel Raum für Emotionen lassen - nur dieses Mal in Maßen.  Das komplette Duell: Christian vs. Roberto vs. Lexi

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Phillip Boa: "Decadence & Isolation" CD
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#3

Pia Lund ist wieder an Bord und das tut dem Altmeister des Independent-Pops richtig gut. Mit einer hohen Dichte an Melodien weiß der Voodooclub endlich wieder zu begeistern.

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Rammstein: "Rosenrot" DoCD
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#2

Dieses Album aus Outtakes der "Reise, Reise"-Sessions ist für mich homogener, als "Reise, Reise" selber. Packend und kraftvoll hat es mich überzeugt.

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Fields of the Nephilim: "Mourning Sun" DoCD
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#1

Nie hätte ich daran geglaubt, dass es nochmals eine reguläre Fields-Scheibe geben würde. "Mourning Sun" verbreitet eine unglaublich intensive, düster-romantische Atmosphäre voller Epik und großen Gesten, wie es neben Carl McCoy nur wenige Künstler können.  Christians kompletter Kommentar

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Die 10 besten Songs - Der Contdown

Rotersand: "Dare To Live"
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#10

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Qntal: "Cupido"
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#9

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VNV Nation: "Arena"
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#8

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Rammstein: "Benzin"
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#7

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Apoptygma Berzerk: "In This Together"
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#6

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Fields of the Nephilim: "Straight To The Light"
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#5

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Depeche Mode: "Precious" MCD
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#4

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Phillip Boa: "Decadence & Isolation"
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#3

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Coldplay: "Talk"
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#2

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Moby: "Lift Me Up"
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#1

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Die Sonderpreise

The Birthday Massacre: "Violet" CD
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Erstes Album, das mit meinem Beisein in der Robotnik-Redaktion diskutiert wurde. Außerdem sind TBM die Newcomer 2004.  Christians kompletter Kommentar

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Rotersand: "Welcome To Goodbye" CD
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Das innerhalb der Robotnik-Redaktion wohl am heftigsten diskutierte Album 2005. Aus meiner Sicht ein Album, mit einigen grandiosen Einzelsongs, denen der rote Faden fehlt. Vielleicht ist es bei dem Namen ja auch überflüssig? Für mich der netteste Band- und Labelkontakt des vergangenen Jahres.  Das komplette Duell: Christian vs. Lexi

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Soundtrack: "Barfuss" CD
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Der Soundtrack des Jahres.

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Konzerte des Jahres
Konzertkarte

VNV Nation, Diorama, Soman (18.04.2005, Rosenhof Osnabrück)

U2, Feeder, The Thrills (12.06.2005, Arena Auf Schalke, Gelsenkirchen)

New Model Army, Honigdieb (28.10.2005, Modernes Bremen)

New Model Army, Waltari, Honigdieb (10.12.2005, Paladium Köln)

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DVDs des Jahres (Filme)
Filmplakat

Sin City

Künstlerisch wertvolle Umsetzung eines Comic-Klassikers.

Constantine

Unheimlich und mystisch mit wunderbarem Track von A Perfect Circle.

Barfuss

Romantisch, tragisch-komisch und liebenswert. Toller Film von und mit Til Schweiger.

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Was meint Lexi?

Was meint Roberto?

Wer ist Christian?

 

Anderer Leute Wertungen:

2005 Soundtracks: Der Jahresrückblick

3 Kommentare

Nebelgeist sagte am 19.02.2006 um 21:11 Uhr:

2005 Soundtracks

Christian, ich bin stolz auf Dich! ;)

Grandiose Musik, so ungefähr sah mein Jahresrückblick auch aus...nur mit ein bissl mehr Manuela dabei ;)

10 von 10 Sternen

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Christian sagte am 21.02.2006 um 20:42 Uhr:

2005 Soundtracks

Nebelgeist...
...vielen Dank. So viel Lob von Dir hat mich doch ein wenig verlegen gemacht. Manuela - wenn Du die meinst, die ich jetzt meine, fand ich auch nicht so schlecht. Da haben sich Fettes Brot was getraut und das ging ins Ohr. Mich berührte dann "An Tagen wie diesen" aber doch mehr.
Wir sehen uns in Bitterfeld!

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Nebelgeist sagte am 23.02.2006 um 14:37 Uhr:

2005 Soundtracks

Nein, nein...nciht "Emanuela", sondern die Schlagerhippe aus den 60s, "Schuld- war - nur- der - Bossa-Nova- Manuela" ;)

10 von 10 Sternen

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